Leipzig. Trotz Stars wie den Weltmeistern Thierry Omeyer und Bertrand Gille , dem Ex-Magdeburger Karol Bielecki oder den Nationalspielern Silvio Heinevetter und Oliver Roggisch: Beim HBL-Allstar-Game in der Arena Leipzig wurde 2011vor allem einer bejubelt, Bundestrainer Heiner Brand.
Nach dem miserablen Abschneiden seiner Jungs bei der Weltmeisterschaft in Schweden schien es so, als wollten die 7532 Fans in der ausverkauften Halle ihm etwas Trost spenden und vor allem signalisieren: An dir lag es nicht. Fast ein wenig verhalten winkte der als bescheiden geltende Brand, der sich noch nicht definitiv zum Verbleib beim DHB geäußert hat, bei der Teamvorstellung ins Publikum. Der Applaus für ihn hallte dennoch lange nach.
„Für mich ist ein Trainerwechsel kein Thema. Heiner Brand steht nicht zur Diskussion", meinte Johannes Bitter zur Nationaltrainer-Frage. „Es wäre ein allgemeiner Rückschlag für den deutschen Handball, wenn er hinwirft", pflichtete sein Mitspieler Lars Kaufmann bei.
Silvio Heinevetter äußerte sich zurückhaltend zur Personalie. „Natürlich ist er für mich der beste Trainer der Welt", so der Torhüter. „Aber egal wie er sich entscheidet: Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren." Michael Haaß schien hingegen schon mehr zu wissen als alle anderen. „Ich glaube Heiner macht weiter", gab er zu Protokoll. „Wir als Mannschaft stehen voll hinter ihm."
Im Anschluss waren es dann natürlich die Spieler, die im Mittelpunkt standen. Brand hielt sich, ganz im Gegensatz zu seinen Gewohnheiten bei „normalen" Begegnungen, dezent zurück. Was der Bundestrainer auf der Platte sah war reichlich Lockerheit gepaart mit Frohsinn und dieser unbekümmerten Lässigkeit, die sich in Meisterschaftsspielen aller Art selten bis nie finden lässt. Nur einer schien dann doch etwas ernsthafter motiviert: Lars Kaufmann.
Bereits beim Einlauf und dem Vorstellen der Teams sah man dem 28-Jährigen an, dass ihm Stimmung und Lokalität nahe gingen. Für den aktuell in Göppingen aktiven Halblinken war das Allstar-Game eine Rückkehr in die Heimat. In Leipzig besuchte er das Sportgymnasium, begann ein BWL-Studium und stand sechs Jahre für Concordia Delitzsch auf der Platte.
„Ich habe mich natürlich gefreut, hier zu spielen. Viele meiner Freunde waren heute in der Halle", so Kaufmann. Am Samstag gehörte er vor allem in der Anfangsphase zu den Spiel bestimmenden Akteuren. Drei Mal traf er innerhalb der ersten zwölf Minuten. Besser als er war da auf Seiten der Nationalmannschaft nur der bestens aufgelegte Holger Glandorf, der als bester Schütze auf dem Parket acht Mal traf, als gäbe es nichts leichteres als Handball. Er und seine Teamkameraden kombinierten nach Lust und Laune, der Ball lief leicht durch die Reihen. Im Spiel eins nach der WM klappte (fast) alles. Dabei fehlten drei Stammspieler im Team. Kapitän Pascal Hens (Sprunggelenkverletzung) saß auf der Bank. Kreisläufer Sebastian Preiß
kuriert eine Grippe aus und Rechtsaußen Christian Sprenger leidet an einem Muskelfaserriss.
Die Allstars kämpften dagegen zu Beginn vor allem mit der natürlichen Uneingespieltheit, die Auswahlspiele dieser Art nun einmal mit sich bringen. Einzig Thierry Omeyer im Tor war direkt drin in der Partie. Seine Parade gegen den heranstürmenden Patrick Groetzki in der 10. Minute ging im tosenden Jubel unter. Der war auch zu hören, als in der 7. Minute Bertrand Gille erstmals in Aktion trat.
Der kleine französische Kreisläufer war nach dem Abpfiff einer der gefragtesten Autogrammschreiber und zeigte sich vom Feiermarathon nach dem Gewinn der WM bestens erholt. „Ich bin auch gar nicht traurig, dass wir heute hier verloren haben. Den wichtigsten Titel haben wir ja vor einer Woche geholt", meinte er lachend und schrieb dabei pausenlos weiter. „Ich habe die Pause bis heute genossen und bin jetzt bereits, mit Hamburg um die Meisterschaft zu spielen."
Insgesamt waren es - natürlich - die Offensivaktionen, die das Allstar-Game bestimmten, auch wenn die Keeper Bitter, Heinevetter, Fritz, Andersson und Omeyer immer wieder glänzen konnten. 21:16 stand es zur Halbzeit. Die Defensivarbeit nahmen beide Teams über die gesamte Spielzeit nicht sonderlich ernst. Warum auch. Von den in Feierlaune befindlichen Fans wurden sie immer wieder nach vorn getrieben.
Die wollten natürlich lieber den einen oder anderen Kempa-Trick statt störrischer Abwehraktionen sehen. Und so erntete Kiels Weltmeister Jerome Fernandez denn auch Jubel, als er sich in der zweiten Hälfte bei einem Siebenmeter erst einmal um die eigene Achse drehte, bevor er abzog. In der Liga hätte eine derartige Szene für einen Aufschrei wegen mangelnden Respekts vor dem Gegner gesorgt.
So war auch das Ergebnis am Ende zweitrangig. Mit 39:37 hatte das Nationalteam die Nase vorn. Robert Weber vom SC Magdburg wurde von den Fans zum „Man of the Match" gekürt und schien das nicht so recht zu verstehen. Machte aber nix. Denn am Samstag gab es in der Arena vor und hinter Bande nur lachende Gesichter. Lediglich einer war mit dem Abpfiff sofort verschwunden: Heiner Brand.
Deutsche Nationalmannschaft: Heinevetter, Bitter: Klein 1,
Kaufmann 4, Haaß 1, Glandorf 8, Groetzki 2, Heinl 5, Kraus 5/2,
Roggisch, Pfahl 2, Wiencek 2, Christophersen 2, Reichmann 3, Gensheimer
4.
All Stars: Omeyer, Fritz, Andersson: Myrhol 5, Gille 3, Liniger
4/1, Nincevic 3/1, Eggert 2, Lindberg 1/1, Weber, Hansen, Bielecki 4,
Fernandez 2, Lackovic, Pomeranz 4, Jicha 1, Duvnjak 4, Thiede 2,
Petersson 2.