Berliner Theatertreffen
Liebesbrief an Sophie Rois: Schauspielerin erhält Berliner Theaterpreis
Nina May
Foto: dpa
Sophie Rois hat den Berliner Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung bekommen.
Berlin. Die Schauspielerin Sophie Rois (50) ist am Wochenende im Rahmen des Theatertreffens mit dem mit 20.000 Euro dotierten Berliner Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung ausgezeichnet worden. Zu Recht! Deshalb hier in Liebesbrief:
Liebe Sophie Rois, (obwohl lieb nicht das erste Attribut ist, das einem zu Ihnen einfällt),
eigentlich müsste man Ihnen nicht erst den Berliner Theaterpreis verleihen, um Ihren Namen mit Glanz und Gloria zu verbinden. Wer einmal das Glück hatte, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, wird Ihnen sofort verfallen: Weil dieses Schnoddrige, dieses Kokette, diese ansteckende Weise, sich in einen Satz hineinzusteigern, als hätten Sie gerade ein Menschheitsrätsel gelöst, Sie auch jenseits der Bühne auszeichnen.
Allein über Ihre Stimme könnte man ein Epos erzählen: dieses Rauchige, dieser österreichische Einschlag, dieses Kratzige, mitunter gar Kieksige! Bei wem sonst würde man es lobpreisen, wenn sich die Stimme manchmal im Überschwang überschlägt? Ob auf der Bühne wie in der Theatertreffen-Produktion „Die (s)panische Fliege“ oder im Fernsehen wie zuletzt als Brandenburger Polizeiruf-Kommissarin – Ihr Auftritt bleibt unvergessen. Und das nicht nur der Phrase nach: Von einer Berliner Theaterwoche vor zehn Jahren hat sich Ihr Auftritt in Frank Castorfs „Dämonen“ am hartnäckigsten in der Erinnerung festgesetzt.
Wie Sie als „Medea“ im Leipziger Centraltheater über die Bühne liefen und trotzig ausriefen: „Ich töte doch gar nicht alle, nur meine Feinde!“ …! Mit Verve und Vehemenz nehmen Sie sich Raum, ohne eine Show abzuziehen. Selbst als Theatergast, wie neulich vor der Premiere von Herbert Fritschs „Murmel, Murmel“ in der Berliner Volksbühne, beherrschen Sie das Foyer, wenn Sie auch nur per Telefon eine Verabredung organisieren. Auf den Bildern von der Preisverleihung am Samstag im Haus der Berliner Festspiele haben Sie den Mund weit aufgerissen vor Vergnügen, wie ein lausbübiges Kind, das ohne Häme triumphiert. An diesem so typischen herausfordernden Blitzen in den Augen kann man sich kaum sattsehen.
In einem Interview haben Sie neulich gesagt, Herbert Fritsch gehe es in der „(S)panischen Fliege“ nicht um eine Aussage, sondern einfach darum, „auf die Kacke zu hauen“. Ihnen dabei zuzusehen, Frau Rois, ist stets ein Vergnügen.
© LVZ-Online, 06.05.2012, 11:07 Uhr