Berliner Theatertreffen
Schlafwandler Macbeth - Inszenierung beim Berliner Theatertreffen ohne Bluttaumel
Nina May
Foto: Münchner Kammerspiele
Premiere von Macbeth am 18. Juni 2011 im Schauspielhaus
„Fair is foul and foul is fair“, singen die Hexen in Shakespeares „Macbeth“. Die Umkehrung und damit Aufhebung oder Infragestellen von Gegensätzen treibt die Regisseurin Karin Henkel auf die Spitze, wenn sie in ihrer Inszenierung der Münchner Kammerspiele die Geschlechterrollen durcheinanderwirbelt: Jana Schulz spielt mit hohlen Wangen und jünglinghaftem Auftreten die Titelrolle, König und Konsorten treten mit Stöckelschuhen auf. Im Ergebnis löst diese beim Berliner Theatertreffen gezeigte Produktion das Stück aus dem Bluttaumel vieler anderer Interpretationen.
Macbeth ist eben nicht nur der machtgierige Schlächter. Shakespeare verhandelt in diesem Stück auch die Beeinflussung durch das Unbewusste, verkörpert durch die Hexen, deren Anführerin (Kate Strong) bei Henkel herrlich britisch flucht und im Wechsel zwischen den Sprachen das Spiel mit unterschiedlichen Positionen auch jenseits der Genderfrage fortführt. Bühnenbildnerin Muriel Gerstner hat für dieses raunende Unterbewusste einen eigenen Raum geschaffen: ein Zelt, auf dem tatsächlich „Schlafender Raum“ steht. Hier geschehen die Morde, die Macbeth wie ein Schlafwandler verübt, hier legt er sich selbst zur letzten Nachtruhe nieder. Denn der Schlaf ist die kleine Schwester des Todes. „Ich lege mich auch hin – mein Geist ist fassungslos“, sagt die Hexe am Ende doppeldeutig.
Das Theatertreffen-Publikum war jedoch nicht restlos begeistert – zum Applaus mischten sich auch einige Buhrufe.
© LVZ-Online, 09.05.2012, 22:31 Uhr