Berlin. Während der Bundespräsidentenwahl ist auch diesmal wieder fleißig getwittert worden. Nutzer des Internetdienstes gaben vor, den Ausgang des ersten Wahlgangs bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses zu kennen. Während der Auszählung des zweiten Wahlgangs waren sie dann deutlich zurückhaltender.
Zurückhaltung bei Vorabveröffentlichungen
Auch
einige Delegierte
twitterten aus der Bundesversammlung. Anders als bei der
Wahl 2009
hielten sie sich aber mit der Vorabveröffentlichung von Ergebnissen zurück. In den vergangenen Tagen hatten die Fraktionen und der Ältestenrat vor allem an die Mitglieder der Zählkommission appelliert, dichtzuhalten. Bei der Wiederwahl Horst Köhlers 2009 plauderten gleich zwei Schriftführer über Twitter das Ergebnis aus -
Julia Klöckner
von der CDU und SPD- Fraktionsvize
Ulrich Kelber.
Zahlreiche Nutzer verkündeten jetzt beim ersten Wahlgang, Christian Wulff (CDU) habe gewonnen - was sich als falsch herausstellte. Andere beriefen sich auf „geheime Infos" und meldeten, Gauck sei neuer Bundespräsident. Einige wollten im Reichstag Blumensträuße gesehen haben und werteten dies als Zeichen für Wulffs Sieg. „Christian Wulff ist neuer Bundespräsident. Wir gratulieren!!!", schrieb ein Twitterer. „Definitiv kein 2. Wahlgang!" Hinterher gestand er kleinlaut: „Wenn man sich mal auf Infos verlässt ... ist man verlassen ..." Im zweiten Wahlgang verebbten die angeblich sicheren Vorhersagen, die Spekulationen gingen aber munter weiter.
Martina Gedeck und der gefälschte Zugang
Unter dem Namen der Schauspielerin
Martina Gedeck
, die von den Grünen in die Bundesversammlung geschickt wurde,
kamen vorab Kommentare, dass Wulff gewonnen habe. Diese erwiesen sich als Fälschung des
Satire-Magazins Titanic
. Gedeck reagierte nach Angaben eines Grünen-Sprechers empört auf die falschen Nachrichten. Sie verwahre sich gegen diese Art des Missbrauchs ihres Namens und wolle ihren Anwalt einschalten. In der ARD sagte Gedeck, sie habe noch nie in ihrem Leben getwittert.
Der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion,
Volker Beck
, twitterte nach dem ersten Wahlgang: „Für die Linke gilt jetzt das alte FDJ-Lied: Sag mir, wo Du stehst, sag mir..." Sein Twitter-Konto ist verifiziert und gilt somit als glaubwürdige Quelle. Der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, könnte im dritten Wahlgang von den Stimmen der Linken profitieren - wenn diese ihre Kandidatin Luc Jochimsen zurückziehen.