Deutscher Feuerwehrtag Leipzig
„Braunmelder“ gegen rechtsextreme Unterwanderung – Feuerwehren rüsten auf
Robert Nößler
Leipzig. Ein Feuerwehrchef, der Kontakte zur Neonazi-Szene pflegte: Dortmunds Wehrleiter sorgte vor einigen Wochen für einen handfesten Skandal. Weil Klaus Schäfer am 1. Mai auf einer Kundgebung mit Rechtsextremen demonstrierte, wurde er von seinem Dienst suspendiert. Der Deutsche Feuerwehrverband verurteilte den Vorfall aufs Schärfste. Wie die Unterwanderung der Feuerwehr durch Neonazis verhindert werden kann, diskutieren Experten in dieser Woche auf der Interschutz-Messe in Leipzig. Denn vor allem im Nachwuchsbereich wird rechte Propaganda immer stärker als Problem wahrgenommen.
„Für Rechtsextreme erscheint die Feuerwehr aufgrund ihrer Tradition und ihrer Strukturen äußerst attraktiv“, erklärt Martina Müller, Referentin für Jugendarbeit bei der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJV). Sie spricht von einem „gravierenden Problem“, das sich nicht auf spezielle Regionen eingrenzen lasse. „Rechtsradikalismus in der Feuerwehr gibt es in Hessen genauso wie in Sachsen“, so Müller. Da die Ausländerquote in den neuen Bundesländern jedoch deutlich geringer sei und es damit auch weniger Kameraden mit Migrationshintergrund gebe, werde das Thema dort stärker wahrgenommen. „Da hat es eine besondere Qualität“, sagt Müller mit Blick auf NPD-Hochburgen wie die Sächsische Schweiz.
In einem vom Bund geförderten Modellprojekt werden Mitglieder der Jugendfeuerwehr seit 2008 darin ausgebildet, rechtsradikale Symbole zu identifizieren. „Es geht zum einen darum, die Codes von Rechtsextremen, also Musik oder Kleidung, zu erkennen“, erläutert die DJV-Referentin, die das Projekt leitet. „Zum anderen werden Trainer und Betreuer angeleitet, was sie konkret dagegen tun können, ohne das Thema an die große Glocke zu hängen.“
Um im Notfall schnell reagieren zu können, wurden in den sechs teilnehmenden Bundesländern – darunter Sachsen-Anhalt und Thüringen – spezielle Alarmsysteme eingerichtet. Über sogenannte Braunmelder könnten die Jugendfeuerwehren telefonisch oder per Internet professionelle Unterstützung anfordern, so Müller. „Ein mobiles Beratungsteam bietet dann innerhalb von 24 Stunden Hilfe“, hebt sie den Vorteil des System hervor. Die sächsische Jugendfeuerwehr nimmt laut Müller nicht am Modellprojekt teil, da sie eigene Initiativen gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen habe.
Eines der Hauptprobleme sei jedoch, dass die Unterwanderung durch Neonazis in vielen Fällen erst sehr spät oder gar nicht aufgedeckt werde. „Häufig bleiben die Rechtsextremen bei ihren Aktivitäten in den Feuerwehren unbehelligt“, so die Projektleiterin. Um dies zu ändern, seien daher künftig noch mehr Sensibilität und Aufmerksamkeit gefragt.
© LVZ-Online, 09.06.2010, 14:53 Uhr