Deutscher Feuerwehrtag Leipzig
Feuerwehr weltoffen und tolerant - Homosexualität als Thema auf der Interschutz
Jenifer Hochhaus
Leipzig. Weltoffen, demokratisch und tolerant – so will sich die Feuerwehr präsentieren. Und genau deshalb drehte sich die Diskussion am Sonnabend, als in Dresden gerade der Christopher Street Day gefeiert wurde, auch auf der Interschutz um das Thema Homosexualität. Unter dem Titel „Gleich sein – anders sein“ informierten am Stand der Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) Axel Lender vom Verein Feuerwehr-Gays, Tanja Walther-Ahrens vom Verein Seitenwechsel und Timm Falkowski, stellvertretender Bundesjugendleiter der DJF, über Probleme von Homosexuellen und Lösungsstrategien.
„Wir wollen alle helfen und da spielt die Sexualität keine Rolle“, sagte Lender gleich zu Beginn. „Es ist wichtig, dass man kein Mobbing erfährt und auch keinen Rausschmiss befürchten muss, wenn man sich outet.“ Dies sei auch noch in jüngster Zeit bei Feuerwehren vorgekommen, betonte Lender und stellte zugleich fest, dass dagegen nur eins hilft: „Mit Vorurteilen aufzuräumen.“ Denn die seien immer noch verbreitet. „Es gibt durchaus Leute, die aus Angst aus der Feuerwehr ausgetreten sind“, sagte der Hamburger von den Feuerwehr-Gays. Der Verein, der rund 100 Mitglieder hat, bietet unter anderem eine Coming-Out-Beratung an und dient als Netzwerk für homosexuelle Feuerwehrmänner. Rund fünf bis zehn Prozent, so schätzte Lender, seien – wie in der restlichen Gesellschaft auch – in der Feuerwehr homosexuell.
Akzeptanz, Toleranz und auch Aufklärung sollten weiterhin in den Wehren vermittelt werden, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Die Normalität ist nicht hetero, die Normalität ist die Vielfalt“, so Falkowski. „Genau dies müssen wir vermitteln. Wenn wir darüber reden und zeigen, dass es normal ist, dann ist das der richtige Weg“, betonte der Feuerwehrmann. Noch sei es ein heikles Thema, aber die Wehren seien auf dem richtigen, toleranten Kurs. „Und da erwarte ich auch“, ergänzte Walther-Ahrens, „dass dies weitergeführt wird und wenn eine Diskriminierung stattfindet, diese auch gleich thematisiert wird.“ Zudem war der Vorstand des Frauen-Lesben-Sportvereins Seitenwechsel der Ansicht, dass die Funktionäre der Feuerwehren ein Statement zu dem Thema abgeben sollten. „Sie haben eine Vorbildfunktion und die sollten sie nutzen“, betonte Walther-Ahrens.
Lender konnte sich in diesem Punkt nur anschließen: „Wir brauchen positive Beispiele.“ Wenn niemand sich trauen würde zu sagen, dass er homosexuell sei, wäre dies der falsche Weg. Denn, so betonte Walther-Ahrens, in der Feuerwehr sei die Aufklärung über Homosexualität noch aus einem anderen Grund wichtig: „Hier steckt auch ein ganz großes Potential, das Weltbild der Menschen ein bisschen zu erweitern.“ Zum Schluss konnte Lender nur noch eine Hoffnung äußern, die auch die anderen beiden Redner hegen: „Ich wünsche mir, dass die Leute so akzeptiert werden, wie sie sind.“
© LVZ-Online, 12.06.2010, 20:38 Uhr