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Deutscher Feuerwehrtag Leipzig

Zeltstadt für den Feuerwehr-Nachwuchs – über 700 Jugendliche campen auf der Agra

Leipzig. Die deutschen Jugendfeuerwehren haben seit Donnerstag ihre Zelte in Leipzig aufgeschlagen. Auf dem Agra-Messegelände im Süden der Stadt campen bis zum Sonntag mehr als 700 Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Polen zusammen mit ihren Betreuern. Dass die Wehren mit Nachwuchsproblemen kämpfen, ist dabei auf den ersten Blick nicht erkennbar – dennoch ist das Thema in aller Munde. „Beim Nachwuchs geht es um mehr als  Schläuche wickeln und Knoten binden“, sagt Mike Brendel vom Jugendfeuerwehrverband Sachsen und fordert künftig mehr Vielfalt in der Ausbildung. Das Camp in Leipzig sei dabei ein wichtiger Schritt.

„Auf so einem riesigen Zeltlager waren wir bislang noch nicht“, staunt Betreuer Jean Hammerich von der Jugendfeuerwehr Neukloster. Zwar treffen sich die Mecklenburg-Vorpommerner – in ihrem Bundesland sind sie eine der mitgliederstärksten Jugendfeuerwehren – auch sonst regelmäßig zum Zelten mit anderen Kameraden. Aber das Camp in Leipzig sei schon etwas einmaliges. „Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Republik. Wir freuen uns, hier so viele Gleichgesinnte zu treffen und Kameradschaften zu pflegen“, erklärt der 46-Jährige.

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Mit rund 40 Teilnehmern sind die Neuklosteraner eine der größten Gruppen auf der Agra und haben gleich mehrere Mannschaftszelte angemietet. Gestellt werden diese von der Leipziger Feuerwehr, die 90 davon auf einer Wiese aufgebaut hat. „Die Jugendlichen müssen nur noch ankommen und dann kann es losgehen“, sagt Campleiter Andreas Schwarz.

Mit seinem rund 40-köpfigen Team hat der Chef der Feuerwache West die Organisation des Camps übernommen. Wer will, wird in der Messehalle mit drei Mahlzeiten pro Tag versorgt, am Freitag und Samstag wird zudem ein Musikprogramm geboten. „Die meisten sind hier, um die Interschutz-Messe und die Aktionsmeile der Jugendfeuerwehren in der Innenstadt zu besuchen“, erklärt Schwarz. „Wir nehmen auch gerne noch weitere Jugendfeuerwehren auf, die sich spontan entscheiden“, so der Campleiter.

Schon lange im Voraus hatte sich die Jugendfeuerwehr aus dem nordrhein-westfälischen Erkrath für das Camp in Leipzig entschieden. „Wir wollen natürlich die Messe besuchen, aber auch mit anderen Jugendfeuerwehren Kontakte knüpfen“, betont Betreuer Marc Hanke, der sich mit 15 jungen Leuten zwischen 12 und 18 Jahren auf den Weg an die Pleiße gemacht hat.

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Schon seit mehreren Jahren sind Corinna Weis und Tabea Ludwig mit Leidenschaft in der Erkrather Feuerwehrjugend dabei. „Ich bin über einen Freund dazu gekommen“, sagt Tabea, die sich auch vorstellen kann, sich später in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. „Aber man muss natürlich erst mal sehen, wo man einen Job findet und ob es zeitlich passt“, so die 15-Jährige. Der Übertritt von der Jugend- in die Freiwillige Feuerwehr sei ein großes Problem, sagt Jörg Schwarz, Kreisjugendfeuerwehrwart aus Mettmann. „Es ist schwierig, die jungen Leute bei der Stange zu halten.“

Auch in Sachsen wird händeringend Nachwuchs gesucht. Seit 2009 wirbt der Freistaat unter anderem mit Youtube-Clips und in sozialen Online-Netzwerken bei jungen Leuten, sich in den Wehren zu engagieren. Das Projekt „Helfer gesucht!“ trägt bereits erste Früchte: Zum ersten Mal seit über zehn Jahren haben die sächsischen Jugendfeuerwehren 2009 wieder Mitgliederzuwächse verzeichnet. Zurzeit gibt es mehr als 10.000 Aktive.

„Das ist ein wichtiger Schritt, aber es muss noch mehr passieren“, sagt Mike Brendel vom Jugendfeuerwehrverband Sachsen, welcher mit sechs Nachwuchsgruppen beim Camp dabei ist. „Die Feuerwehren müssen auch andere Freizeitangebote bieten, um junge Leute anzulocken“, so Brendel. Das fange beim Schwimmbadbesuch an – und höre beim Zeltlager noch lange nicht auf.
 
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