KWL
KWL-Skandal: Erste Millionen-Ausfälle schon 2008
Jens Rometsch
Foto: Volkmar Heinz
Die Geheimgeschäfte des früheren Wasserwerke-Chefs gerieten frühzeitig in Schieflage.
Leipzig. Der Zusammenbruch der US-Bank Lehman-Brothers im Jahr 2008 war der letzte Anstoß für die Weltfinanzkrise. Dabei kam es auch zu Zahlungsausfällen bei isländischen Banken, deren Papiere in dem geheimen CDO-Portfolio der Leipziger Wasserwerke steckten. Nach neuen LVZ-Informationen forderte die UBS-Bank Heininger bereits 2008 auf, für diese Ausfälle einzustehen. Tatsächlich zahlte der KWL-Chef damals in mehreren Tranchen einen einstelligen Millionenbetrag in die höchst komplizierte CDO-Struktur ein. Das Geld dafür nahm er von einem ebenfalls geheimen Pufferkonto, das bei Abschluss der Finanzwetten zwei Jahre zuvor eingerichtet worden war (siehe Hintergrund).
Dennoch schwieg Heininger in Leipzig weiter zu den Schwarz-Deals. In einer KWL-Aufsichtsratssitzung im Oktober 2008 log er sogar auf eine Anfrage der damaligen Stadt-Kämmerin Bettina Kudla (CDU), es gebe bei den Wasserwerken keine CDO und deshalb auch keinerlei Risiko. Anfang 2009 tauchten jedoch weitere Hinweise auf, dass bald wieder Ausfälle folgen könnten. Nach ebenfalls neuen
LVZ-Informationen begann Heininger daher Verhandlungen mit der UBS-Bank über eine "Umstrukturierung" des gesamten CDO-Geschäfts. In einer E-Mail am 29. April 2009 verlangte UBS, der KWL-Chef müsse dafür aber die Zustimmung seines Aufsichtsrates und der Gesellschafter (vor allem der Stadtkonzern LVV) einholen. Heininger wies diese Forderung zunächst vehement zurück: Da UBS für den Abschluss dieser Deals keine Beschlüsse der Gremien verlangt habe, dürfe für die nun geplante "Umstrukturierung" nichts anderes gelten. Mit dieser Position konnte er sich bei den Bankern aber nicht durchsetzen.
Deshalb schickte er am 27. Mai 2009 eine E-Mail an die LVV. Betreff: "CBL Risikobetrachtung". In der Mail schwadronierte Heininger über Risiken der alten Cross-Border-Leasing-Depots aus dem Jahr 2003 und dass er hier wegen der Weltfinanzkrise einige Dinge nachbessern müsse. Kein Wort fiel zu den Gefahren der CDO-Deals.
Seine Hoffnung, die UBS würde diese Mail als ausreichende Information der Gremien akzeptieren, erfüllte sich nicht. Stattdessen teilte ihm die UBS-Bank nun mit, er brauche für jedwede Änderungen künftig Zustimmungsbeschlüsse von Aufsichtsrat und Gesellschafter. Die Wahrheit erfuhren die Gremien dennoch nicht von ihm. Am 4. Dezember 2009 kündigte UBS den nächsten Ausfall gegenüber Heininger an. Bis heute wurden es 285,5 Millionen Euro.
© LVZ-Online, 22.07.2010, 23:28 Uhr