Leipzig gegen Neonazis
Konservative und Liberale stärken Bündnis gegen Neonazis: Aktionsnetzwerk mobilisiert weiter
Insa van den Berg
Foto: Volkmar Heinz
Mit Trillerpfeifen und lautem Rufen haben Gegendemonstranten 2009 gegen den Neonazi-Aufmarsch protestiert.
Leipzig. An dem Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, das am Samstag gegen die geplanten Neonazi-Aufmärsche auf die Straße gehen wird, beteiligen sich erstmals auch Vertreter von CDU und FDP. „Damit wird deutlich, dass wir kein ausschließlich linkes Bündnis sind, sondern einen Querschnitt des politischen Spektrums abbilden“, sagte Andreas Fest, Vertreter des Bündnisses, am Mittwoch in einem Pressegespräch. Drei Tage vor den angekündigten Demonstrationen durch das Leipziger Stadtgebiet hat das Netzwerk über Motive, Vorbereitungen und konkrete Vorhaben informiert.
Rund vierzig Gegenveranstaltungen sind beim Ordnungsamt angemeldet plus 52 Mahnwachen, organisiert von den Kirchen im Stadtgebiet. „Durch gewaltfreies Widersetzen wollen wir im Idealfall erreichen, dass die Neonazis nicht laufen können“, so Fest weiter. Dabei solle jedem Demonstrationsteilnehmer selbst überlassen bleiben, welche Form des zivilen Ungehorsams er wähle, informierte Netzwerk-Sprecherin Juliane Nagel.
Zu Beginn einfinden sollten sich die Protestierenden am Samstag bis 10 Uhr an den Startpunkten der bislang vier Routen, also am Rathaus Wahren, in der Karl-Heine-Straße in Plagwitz, am Hauptbahnhof und am Bruno-Plache-Stadion in Probstheida. Bereits ab 9 Uhr werden in der Nähe der Versammlungsorte Infopunkte eingerichtet sein, an denen Hilfe geboten und über das aktuelle Geschehen berichtet werde.
„Es ist sehr wichtig, dass auch alle, die jetzt noch unentschlossen sind, am Samstag Gesicht zeigen“, appellierte Gunnar Georgi, ebenfalls Sprecher des Netzwerkes. Wer Angst habe, in gewalttätige Auseinandersetzungen zu geraten, könne sich auch an einer der Mahnwachen beteiligen, schlug Martin Henker als Kirchenvertreter vor. Sie seien unter anderem als Angebot für Familien mit Kindern zu verstehen, um „ein Zeichen für Freiheit und Menschenwürde zu setzen.“
„Demonstrationen in der Vergangenheit haben außerdem gezeigt, dass die Vielfalt der anwesenden Menschen illegale Handlungen nicht zugelassen hat“, erläuterte Juliane Nagel. Das Netzwerk werde zudem auf freiwilliger Basis Ordner einsetzen, die deeskalierend wirken sollen.
© LVZ-Online, 13.10.2010, 13:31 Uhr