Privatisierung kommunaler Betriebe
Bertelsmann-Tochter will Leipziger Perdata kaufen - Bei der LVV sollen 500 Stellen wegfallen
Ulrich Milde/Jens Rometsch
Foto: André Kempner
Der Firmensitz von Perdata am Martin-Luther-Ring in Leipzig
Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) überlegt, die Stadtwerke-Tochter Perdata komplett zu verkaufen. Die Bertelsmann-Tochter Arvato Systems bietet für diesen Fall 18 Millionen Euro. „Die Veräußerung scheint mir Sinn zu machen“, sagte Jung am Freitag. Der Teilverkauf der Stadtwerke-Tochter HL-Komm dürfte dagegen vom Tisch sein.
Jung räumte ein, dass das Ergebnis des soeben abgeschlossenen Bieterverfahrens „überraschend“ sei. Es blieb zum Schluss nur je ein Interessent übrig. Das Rathaus und die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) – unter ihrem Dach befinden sich die Leipziger Stadtwerke, Wasserwerke und Verkehrsbetriebe – wollten jeweils 49,9 Prozent des Telekommunikationsdienstleisters HL-Komm und der Informationstechnologiefirma Perdata verkaufen. Mit dem erhofften Erlös von zusammen 35 Millionen Euro sollte die LVV ihren Schuldenberg von aktuell knapp 700 Millionen Euro ein Stück reduzieren. Doch das Interesse an einem Teileinstieg hielt sich letztlich in Grenzen.
"Lächerlich niedriges" Angebot für Anteile von HL-Komm
Arvato gab zwar auch ein Angebot über 49,9 Prozent ab, das aber bei Weitem nicht den Erwartungen der Stadt entsprach. Dafür stieß die 18-Millionen-Euro-Offerte bei einer Komplettübernahme von Perdata im Rathaus auf großes Interesse. Arvato hat dem Vernehmen nach zugesichert, in Leipzig ein Kompetenzzentrum speziell für die Energieversorgung und die Logistikbranche einzurichten und die Schaffung von mindestens 75 neuen Arbeitsplätzen angeboten. Perdata erzielt 80 Prozent des Gesamtumsatzes von jährlich rund 22 Millionen Euro mit der Mutter, den Stadtwerken. Arvato habe für acht Jahre den Erhalt des Standortes Leipzig zugesagt, ebenso für diese Zeit die Arbeitsplatzsicherheit der 150 Perdata-Beschäftigten garantiert.
Foto: André Kempner
Der Teilverkauf der Stadtwerke-Tochter HL-Komm dürfte vom Tisch sein.
Bei HL-Komm hielt mit der Versatel AG ebenfalls nur ein Interessent bis zur letzten Runde des Bieterverfahrens aus. Die Berliner machten für den Minderheitseinstieg ein nach Ansicht der Stadt „lächerlich niedriges“ Angebot.
Der Stadtkonzern LVV soll mit einem straffen Konsolidierungskurs auf finanziell solide Füße gestellt werden. Damit soll die drohende Deckungslücke von 123 Millionen Euro bis zum Jahr 2014 vermieden werden. „Wir schnüren ein Gesamtpaket, um die LVV aus der Lücke herauszuholen“, sagte am Freitag Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der zugleich dem Aufsichtsrat der LVV vorsteht.
LVV-Aufgaben sollen gebündelt werden - Bis zu zehn Prozent weniger Jobs
Das Bündel, das geschnürt werden soll, hat es in sich. So sollen im Konzern erhebliche Einspareffekte erzielt werden. Die LVV ist die Muttergesellschaft der Stadt- und der Wasserwerke sowie der Verkehrsbetriebe. Und da sollen künftig Aufgaben gebündelt werden. Ein Beispiel: Derzeit haben alle drei Tochterfirmen einen Einkäufer, der etwa Papier beschafft. Dieses soll dann künftig einer für alle erledigen. Die LVV geht davon aus, dass auf diese Weise mittelfristig bis zu zehn Prozent der gut 5000 Arbeitsplätze wegfallen.
Weitere Informationen und Hintergründe zu den Plänen rund um den Stadtkonzern LVV lesen Sie in der LVZ-Druckausgabe vom 29./30. Oktober 2011 oder im
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© LVZ-Online, 29.10.2011, 10:20 Uhr