Der Stadtrat hatte 2011 nicht nur den Weg bereitet für den Verkauf von Perdata, sondern auch der ebenfalls zur LVV gehörenden Telekommunikationsdienstleister HL Komm. Für HL Komm gibt es ein Angebot der Versatel AG, die den Leipziger Betrieb zu 100 Prozent übernehmen will. Der Leipziger Stadtrat trug am Mittwoch die Entscheidung mit, dass das Bieterverfahren zurückgesetzt wird - die Karten werden neu gemischt. Daran hat Versatel aber offenbar kein Interesse.
"Versatel hat mündlich mitgeteilt, dass man sich zurückzieht, wenn das Verfahren für weitere Angebote geöffnet wird", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) in seiner einleitenden Rede zur Debatte um die strategische Ausrichtung des Stadtkonzerns LVV. Eigentlich war das aktuelle Angebot des Berliner Unternehmens bis Ende Januar gültig. Die LVV waren mit dem Kaufpreis von 32 Millionen Euro allerdings nicht zufrieden und forderten Nachbesserungen. Das Angebot entspräche immer noch nicht dem Buchwert von HL Komm, sagte Jung am Mittwoch.
Dem Stadtkonzern liegt derweil die Offerte eines weiteren Bieters vor, der Ende 2011 eigentlich schon aus dem Verfahren ausgeschieden war. Dabei handelt es sich
nach LVZ-Informationen
um die dänische Firma Global Connect. Es gebe ein "ernsthaftes Interesse am mehrheitlichen Erwerb der Geschäftsanteile", so die LVV. Wie der Verkauf geregelt werden soll, habe der Bieter sowohl preislich als auch strategisch unterlegt.
Um alle Kaufinteressenten wieder ins Boot zu holen, hat die LVV nun das Bieterverfahren zurückgesetzt. Damit werden alle erneut
angeschrieben, die schon einmal die Chance hatten, ein qualifiziertes Angebot abzugeben. Der Stadtrat stimmte zu und beschloss, dass HL Komm nur verkauft wird, wenn der Preis dem Buchwert des Unternehmens entspreche und der neue Gesellschafter Verbindlichkeiten in Höhe von 10,5 Millionen Euro übernehme. HL Komm erreichte 2010 einen Gewinn von 3,5 Millionen Euro.
Nach der aktuellen Ratsvorlage soll der zukünftige HL-Komm-Gesellschafter außerdem Arbeitsplätze und den Standort Leipzig sichern und dazu ein Entwicklungskonzept vorlegen. Mit dem Ratsbeschluss gilt nun: Wird keiner der Bieter diesen Ansprüchen gerecht, wird die Stadt HL Komm vorerst nicht verkaufen.