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Präsident der Malediven tritt nach Meuterei ab

Die Malediven sind bei Urlaubern sehr beliebt. Foto: Peer Grimm/Archiv   Foto: dpa Die Malediven sind bei Urlaubern sehr beliebt. Foto: Peer Grimm/Archiv

Colombo (dpa) - Meuternde Polizisten und wochenlange Oppositionsproteste haben den ersten demokratisch gewählten Präsidenten der Malediven zum Rücktritt gezwungen.

«Ich will nicht durch Gewalt an der Macht bleiben», sagte der 44 Jahre alte Staats- und Regierungschef Mohamed Nasheed in einer Fernsehansprache. Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan übernahm am Dienstag in Male die Amtsgeschäfte. Einheimische Medien hatten zuvor von einem Putschversuch auf der südasiatischen Inselkette berichtet.

zum Thema Minivan-Artikel Homepage Waheed Präsidentenbüro zum Rücktritt

Urlauber auf den Malediven sind nach Angaben des dortigen Tourismusministeriums nicht von der innenpolitischen Krise betroffen. «Wir können versichern, dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden», sagte Ministeriumssprecherin Eelaaf Zaeem.

Die Spannungen auf den Malediven eskalierten, seit im vergangenen Monat ein Richter festgenommen wurde, der die Freilassung eines inhaftierten Oppositionspolitikers angeordnet hatte. Besonders Anhänger des früheren Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom hatten gegen den Amtsinhaber mobilisiert. Gayoom hatte 30 Jahre lang autokratisch geherrscht und war Nasheed bei der Wahl 2008 unterlegen.

Ein Sprecher von Gayooms Fortschritts-Partei PPM sagte, der neue Präsident Waheed habe die Unterstützung der Opposition. «Die Demonstrationen der Opposition sind beendet und wir erwarten eine Normalisierung der Lage.»

Waheed gilt als westlich geprägt und hat lange bei den Vereinten Nationen gearbeitet. Nasheed hatte jahrelang friedlich für demokratische Reformen auf den Malediven gekämpft. Unter Gayoom war er politischer Gefangener.

Die Demonstrationen beschränkten sich auf die Insel mit der Hauptstadt Male. Ausländische Urlauber halten sich dort nur für Tagesausflüge auf. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren Resorts gebracht, die abgeschieden auf jeweils eigenen Inseln liegen. Der größte europäische Reisekonzern Tui teilte mit, nur Shopping-Ausflüge nach Male seien vorsorglich ausgesetzt worden.

Das Auswärtige Amt rät seit Dienstag Urlaubern vom Besuch von Male ab. Nach ersten Informationen waren keine der derzeit rund 5000 deutschen Touristen von den Unruhen betroffen. Auf der Flughafeninsel und in den Ferienresorts sei die Lage ruhig, hieß es. Nach den jüngsten Zahlen des Deutschen Reiseverbandes machen jedes Jahr mehr als 77 000 Deutsche auf den Malediven Urlaub.

Allerdings beobachtet das Ministerium die Entwicklungen mit Sorge. Nasheed habe als erster demokratisch gewählter Präsident des Landes große Verdienste errungen, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link. «Alle Seiten sind aufgefordert, die maledivische Demokratie und den Rechtsstaat zu stärken und sicherzustellen, dass es kein Zurück zu den Zeiten einer Ein-Parteien-Herrschaft gibt», appellierte Link an die Beteiligten.

In einer «Botschaft an das Volk» auf seiner Homepage rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Institutionen dazu auf, die Verfassung zu achten. Die unabhängige Nachrichtenseite «Minivan News» hatte zuvor gemeldet, Meuterer aus der Polizei hätten sich Demonstranten der Opposition angeschlossen und den staatlichen Rundfunk übernommen. Das Militär setze Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Das kleine südasiatische Land besteht aus 1190 Inseln im Indischen Ozean, von denen nur rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der muslimischen Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt.

 
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