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Skandal-Fotos: US-Soldaten posierten mit Leichenteilen

US-Fallschirmjäger in Afghanistan: Wieder sorgen Fotos von mutmaßlichen Leichenschändungen durch US-Soldaten für Empörung. Foto: U.S. Army Pfc. Andrya Hill/Archiv   Foto: dpa US-Fallschirmjäger in Afghanistan: Wieder sorgen Fotos von mutmaßlichen Leichenschändungen durch US-Soldaten für Empörung. Foto: U.S. Army Pfc. Andrya Hill/Archiv

Brüssel/Washington (dpa) - Die Serie von Skandalen beim Einsatz von US-Soldaten in Afghanistan reißt nicht ab. Fotos von amerikanischen Soldaten mit Körperteilen toter afghanischer Selbstmordattentäter sorgten für Entsetzen in Washington, Kabul und Brüssel.

«Ich verurteile schärfstens, was man auf diesen Fotos sieht», sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in Brüssel am Rande einer Nato-Konferenz. Die Schuldigen würden bestraft. Er entschuldigte sich «im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten».

zum Thema Bericht der Los Angeles Times Pentagon-Mitteilung Allen-Mitteilung Nato und Afghanistan

Die Zeitung «Los Angeles Times» veröffentlichte am Mittwoch grausige Bilder, die Männer in Uniform unter anderem mit blutigen abgetrennten Beinen zeigen. Es ist bereits das vierte Mal in diesem Jahr, dass ein Skandal die amerikanischen Truppen am Hindukusch erschüttert. Die Fotos stammen nach Angaben Panettas aus dem Jahr 2010.

Die Zeitung erhielt sie nach eigenen Angaben von einem US-Soldaten, der anonym bleiben und eine Wiederholung derartiger Vorfälle verhindern wolle.

«Ich möchte auch dies sagen: Dies ist Krieg. Und ich weiß, dass Krieg schmutzig und gewalttätig ist», sagte Panetta. «Und ich weiß, dass junge Leute manchmal in der Hitze des Augenblicks sehr dumme Entscheidungen treffen.» Panetta fuhr fort: «Ich entschuldige sie nicht, ich entschuldige dieses Verhalten nicht. Aber ich möchte nicht, dass diese Fotos unseren Leuten und unserer Beziehung zum afghanischen Volk weiteren Schaden zufügen.»

Er bedauerte, dass die «Los Angeles Times» die Fotos trotz der Bitten seines Ministeriums veröffentlichte: «Diese Art von Fotos ist in der Vergangenheit vom Feind benutzt worden, um zur Gewalt anzustacheln. Und Menschen sind als Folge der Veröffentlichung von Fotos dieser Art in der Vergangenheit gestorben.» Die «Los Angeles Times» schrieb, man habe sich zur Veröffentlichung entschieden, um unabhängig und unparteiisch über «alle Aspekte der amerikanischen Mission in Afghanistan» zu berichten.

Auf einem der Fotos ist ein lächelnder junger US-Soldat zu sehen, hinter dem ein toter Aufständischer mit geöffneten Augen liegt, den ein zweiter Soldat zu halten scheint. Die Zeitung schreibt, auf einem weiteren Bild - das im Internet nicht zu sehen war - würden zwei Soldaten die Hand eines Toten halten, deren Mittelfinger ausgestreckt sei. Neben der Leiche liege ein inoffizieller Aufnäher der Einheit, auf dem «Zombie Hunter» (Zombie-Jäger) aufgedruckt sei.

Nach Angaben der «Los Angeles Times» gehört der Soldat, der ihr die Bilder gab, einer Einheit der 82. Luftlandedivision aus Fort Bragg (North Carolina) an. Die Fotos seien während der einjährigen Stationierung der 3500 Soldaten umfassenden Brigade entstanden. Diese habe während dieser Zeit 35 Männer verloren, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Webseite casualties.org weiter. Mindestens 23 dieser Soldaten seien durch Selbstmordattentäter oder selbst gebaute Bomben Aufständischer ums Leben gekommen.

Erst im Januar war ein Video aufgetaucht, auf dem amerikanische Soldaten auf tote Taliban-Kämpfer urinierten. Im Februar wurden auf einer US-Basis Koranexemplare verbrannt. Ein US-Soldat ist derzeit angeklagt, bei einem Massaker im März 17 afghanische Zivilisten ermordet zu haben.

Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General John Allen, erklärte: «Die Handlungen der fotografierten Personen vertreten nicht die Politik der Isaf oder der US-Armee.» Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Fotos ebenfalls scharf.

Die Außen- und Verteidigungsminister sicherten in Brüssel der afghanischen Führung zu, auch nach dem Abzug der derzeit 130 000 internationalen Soldaten aus Afghanistan weiterhin die Armee und Polizei des Landes zu finanzieren und auszubilden. «Die Afghanen zeigen, dass sie immer stärker ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen können», sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Eine Reihe von Nato-Staaten habe bereits Beträge für künftige Finanzhilfen genannt. Die Rede ist von jährlich 4,1 Milliarden US-Dollar für die afghanischen Sicherheitskräfte.

Rasmussen sagte, die Nato halte am Zeitplan für den Abzug der Soldaten bis Ende 2014 fest. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière zeigte sich «überrascht» über eine Ankündigung Australiens, den Abzug möglicherweise schon 2013 abzuschließen. Rasmussen sagte, dies stehe im Einklang mit dem Zeitplan.

 
 
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