Mitteldeutschland
Durchsuchung bei Jenaer Pfarrer: Sachsens Justizminister Martens unter Beschuss
dpa
Foto: Andreas Döring
Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP)
Dresden. Dresden. Die umstrittene Wohnungsdurchsuchung sächsischer Polizisten beim Jenaer Pfarrer Lothar König sorgt weiter für Unmut. Am Dienstag bezichtigte die SPD im Landtag von Sachsen Justizminister Jürgen Martens (FDP) der Lüge. Martens habe auf einer Pressekonferenz am 16. August erklärt, dass die Aktion den Thüringer Behörden nicht nur bekannt, sondern auch mit ihnen abgestimmt gewesen sei. Eine Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD belegt nach Ansicht SPD-Landtagsabgeordneten Sabine Friedel aber nun das Gegenteil.
Martens wies die Anschuldigungen wenig später zurück. „Der Vorwurf von Frau Friedel ist entweder mit erschreckender Ahnungslosigkeit oder mit Verleumdungsabsicht zu erklären. Man sollte ihr jedoch zugutehalten, dass ihre Kleine Anfrage insgesamt 4 Fragen hatte. Da kann man schon mal den Überblick verlieren“, antworte Martens ironisch. Friedel habe unterschlagen, dass die Frage nach der Informiertheit der Polizei in der Antwort des Innenministeriums zuvor bereits mit „Ja“ beantwortet wurde.
Die Abgeordnete Sabine Friedel hatte bei einer Frage wissen wollen, ob
die Polizei in Jena auch bei einem Telefonat kurz vor der Razzia ins
Bild gesetzt wurde, gegen wen sich die Maßnahme richtete. Die Antwort
aus dem Innenministerium lautet so: „Nein, die Polizeidirektion Jena,
Einsatzzentrale, wurde bei dem Telefonat 45 Minuten vor dem Einsatz nur
darüber informiert, dass eine Durchsuchungsmaßnahme in Jena stattfinden
wird. Gegenüber welcher konkreten Person und aus welchen konkreten
Gründen die Durchsuchungsmaßnahme durchgeführt wird, wurde nicht
mitgeteilt.“
„Staatsminister Martens hat also öffentlich gelogen. Das ist ein
gravierender Fehltritt“, erklärte Friedel. Die Staatsregierung habe nun
etwas klarzustellen - sowohl gegenüber dem Landtag als auch gegenüber
Thüringen. König steht bei sächsischen Ermittlern im Verdacht, am Rande
des Neonazi-Aufmarsches am 19. Februar in Dresden zu Gewalt gegen
Polizisten aufgerufen zu haben. Er bestreitet das. Ermittlungen wegen
„Bildung einer kriminellen Vereinigung“ gegen König wurden im August
vorläufig eingestellt. Allerdings gibt es noch welche wegen
„aufwieglerischen Landfriedensbruch“.
Am 10. August hatten Polizisten aus Dresden die Dienstwohnung Königs
durchsucht und unter anderem seinen Computer und Schriftstücke
beschlagnahmt. Die Razzia sorgte auch in Kirchenkreisen für Unmut.
Thüringens Landesregierung sah keinen Grund zu offizieller Kritik am
Vorgehen der sächsischer Ermittler.
© LVZ-Online, 27.09.2011, 15:51 Uhr