Mitteldeutschland
Elternberatung gegen Rechts hofft auf Fortsetzung
dpa
Dresden. Das in Sachsen erprobte Modellprojekt „Recall“ hat bislang 71 besorgte Eltern zum Thema Rechtsextremismus beraten. Die Akteure hoffen, dass das 2007 ins Leben gerufene Projekt auch nach Ende der Probephase in diesem Herbst im Freistaat eine Zukunft hat. Es fülle eine wichtige Lücke im vielfältigen Beratungsangebot, sagte Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen am Freitag bei der Vorstellung einer Zwischenbilanz. Eltern sollten nicht mit ihren Problemen alleingelassen und ertüchtigt werden, rechtsextremen Einstellungen ihrer Kinder zu begegnen.
Die Beratungen sind auf Wunsch völlig anonym und können auf neutralem Boden stattfinden. 90 Prozent der Ratsuchenden seien Mütter. Und zu 90 Prozent gehe es um Probleme mit Söhnen - im Alter von 13 Jahren bis Mitte Zwanzig. In 20 Prozent der Fälle habe es mehrere Gespräche gegeben. Über eine „Erfolgsquote“ der Beratungen könne man nicht sprechen, sagte Nattke. Es gebe wegen der Anonymität kaum einen dauerhaften Kontakt zu den Eltern.
„Eltern kommen leider oft sehr spät, wenn rechte Einstellungen schon manifest sind“, bedauerte Nattke. „Sie kommen, wenn ein Gerichtsverfahren ansteht oder es wegen rechter Einstellungen Probleme mit der Berufswahl gibt.“ Er riet, lieber einmal umsonst als zu spät Hilfe zur Selbsthilfe zu suchen.
Das Modellprojekt „Recall - Mit Eltern gegen rechts“ wird vom Bundesfamilienministerium und dem Freistaat getragen. Dabei kooperieren der Verbund Sozialpädagogischer Projekte Dresden, das Kulturbüro Sachsen und der Paritätische Wohlfahrtsverband Sachsen - sowohl bei der Beratung als auch bei der eigens entwickelten Weiterbildung für Berater. Derzeit teilen sich im Projekt drei Berater zwei feste Stellen. Für eine Weiterführung würden rund 100 000 Euro pro Jahr benötigt, hieß es.
Telefonisch sind die Berater unter 0351-272 80 92, 0351-323 36 60 oder 0176-101 96 930 zu erreichen. Für die Region Sächsische Schweiz- Osterzgebirge gibt es die Telefonnummer 03501-470 030. Per Mail kann über die Adresse kontakt@recall-sachsen.de um Beratung gebeten werden.
© LVZ-Online, 05.03.2010, 15:16 Uhr