Mitteldeutschland
Genossenschaften kritisieren Stadtumbau in Sachsen
dpa
Foto: Dietrich Flechtner
Günstiger Wohnraum in den Außenbezirken wird benötigt, heißt es bei den Genossenschaften.
Dresden. Beim Stadtumbau in Sachsen wird aus Sicht der Wohnungsgenossenschaften zu sehr auf die Innenstädte und ihre repräsentativen Altbauten geschaut. Vor allem dort würden die Schwerpunkte der Förderpolitik gesetzt.
„Aber die Mehrzahl der Bevölkerung wohnt dort nicht", sagte der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, Axel Viehweger, am Mittwoch in Dresden. „Und sie könnte es sich auch nicht leisten." Daher dürfe der günstigere Wohnraum in den Außenbezirken nicht vergessen werden, auch wenn es sich um Plattenbausiedlungen handle. „Wir werden den Plattenbau in den nächsten Jahrzehnten brauchen", sagte Viehweger.
Der Verbandschef kritisierte außerdem die fortwährenden Kürzungen der Städtebauförderung des Bundes. Dies gehe schon jetzt zu Lasten der privaten Investitionen in die Wohngebäude. „Die Städte sind immanent wichtig für unser Leben. Unsere kulturelle Identität wird durch Städte geprägt", mahnte Viehweger. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) scheine das vergessen zu haben, kritisierte der Verbandschef und sprach von einem „kulturlosen Stadtumbau".
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Die Stärkung der Innenstädte mit ihren Gründerzeitvierteln wie hier in der Waldstraße steht im Mittelpunkt der Förderpolitik. Das kritisieren die Genossenschaften.
Die mehr als 230 sächsischen Wohnungsgenossenschaften wollen in diesem Jahr zusammen gut 227 Millionen Euro in ihre Gebäude stecken. Das sind mehr als 20 Millionen Euro weniger als 2010. Als Grund gab der Verband am Mittwoch den bereits erreichten Modernisierungsstand, aber auch zu hohe, nicht mehr wirtschaftliche Anforderungen an die energetische Sanierung sowie den Rückgang der Städtebauförderung an.
Den Angaben zufolge wohnen im Freistaat rund 530.000 Menschen in einer Genossenschaftswohnung. Sie zahlen derzeit im Schnitt eine Kaltmiete von 4,49 Euro pro Quadratmeter. Größere Sprünge nach oben soll es nicht geben, betonte Viehweger. Vor allem ältere Menschen hätten immer weniger Geld zur Verfügung. „Wir werden die 4 vor dem Komma deswegen langfristig brauchen", betonte er.
© LVZ-Online, 18.05.2011, 12:28 Uhr