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Mitteldeutschland

Hightech & Barock - Dresdner Kunst auf der Expo in Shanghai

Dresden. Wenn es nach Kulturmanager Martin Roth geht, gehören Kunstschätze sowieso auf jedes iPhone oder iPad. Der Generalsdirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden liebt technischen Fortschritt und hat im Unterschied zu manchem Kollegen noch nie im Elfenbeinturm traditioneller Kunsthüter gesessen. Auf der Weltausstellung Expo 2010 in der chinesischen Metropole Shanghai will er Schätze aus seinen Sammlungen mit modernster Technik präsentieren. „Barock und Hightech“, wirbt Roth für das Spektakel.

So haben die Kunstsammlungen Dresden vom 1. Mai bis 31. Oktober die Chance auf ein Millionen-Publikum aus aller Welt. 40 bis 60 Millionen Gäste werden auf der globalen Leistungsschau im Reich der Mitte erwartet. „Das ist eine große Möglichkeit, für uns zu werben“, sagt auch der Chef des Grünes Gewölbes, Dirk Syndram. Im „Pavilion Of Urban Footprint“ (Spuren urbaner Entwicklung) gelangt der Expo- Besucher am Ende in zwei bedeutende Schatzkammern: Das Palastmuseum der Verbotenen Stadt in Peking und in das Grüne Gewölbe.

25 Dresdner Kunstschätze sind im Original zu sehen, andere auf überdimensionalen Reproduktionen. Dafür hat Fotografie-Professor Jörg Schöner ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem Exponate aus Hunderten digitaler Bilder am Computer zusammengefügt werden. Dank hochauflösender Technik sei es möglich, „Kleines groß und sichtbar zu machen“, berichtet Schöner. Die Fotos sollen so scharf sein, dass selbst die Schrauben in den Scheuerleisten des Gewölbes noch zu sehen sind - mit ausgerichtetem Schraubenschlitz, versteht sich.

Johann Dinglingers Kabinettstück „Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb“ - ein Hauptwerk europäischer Juwelierkunst des Barock - hat Schöner auf mehr als 1200 Einzeldateien abgelichtet und dann wieder zusammengesetzt. Nun lebt der Hofstaat auf einer Bildfläche von 5 mal 10 Meter in unbekannter Größe auf. „Man sieht, wo Dinglinger mit dem Werkzeug abgerutscht ist“, wirbt Schöner für sein Verfahren. Roth sieht darin eine „Schule des Sehens“: „Wenn man die Welt vergrößert, erhält man andere Einsichten.“

„Auf diese Weise können die Besucher den Hofstaat praktisch körperlich erleben, in das Kunstwerk hineingehen“, schwärmt Syndram. Damit würden nicht nur der Fantasie der Besucher ganz besondere Spielräume geschaffen. Auch Restauratoren und Wissenschaftler könnten so jede Menge Zusatzinformationen erhalten. Syndram spricht von einem „Appetizer“: „Das ist natürlich alles kein Ersatz für den Besuch des Grünen Gewölbes in Dresden.“

Dennoch sollen die Pretiosen künftig auch andernorts als Wegbegleiter dienen. Ab 10. April können sich Fans eine Animation des Grünen Gewölbes als App (mobile Application) auf ihr iPhone oder iPad laden und dann virtuell durch die heiligen Kunsthallen wandeln. Auf der im Internet verfügbaren 3D-Plattform Second Life ist das schon jetzt in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister möglich. Auch dieses Angebot soll in Shanghai von Hightech & Barock künden.
 
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