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Mitteldeutschland

Kirche zeigt Priester wegen sexueller Nötigung an

Erfurt. Das Bistum Erfurt hat einen Priester wegen sexueller Nötigung angezeigt. Er habe die Übergriffe auf vier Minderjährige in den Jahren 1980 bis 1996 zugegeben, teilte das Bistum am Freitag mit. Das Bistum selbst bekannte, es sei eine „falsche Entscheidung“ gewesen, den Mann trotz eines Nötigungsvorwurfs von Januar 2004 bis August 2006 unter anderem im Jugendgefängnis Ichtershausen einzusetzen. Der Beschuldigte arbeitete zuletzt als Geistlicher in einem Seniorenheim im Bistum Würzburg. Nach der Suspendierung durch den Erfurter Bischof sei er auch in dem Heim von allen seelsorgerischen Aufgaben entbunden worden, sagte ein Sprecher des Würzburger Bistums.

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Ob den Bayern die Vorwürfe gegen den heute 61-Jährigen bei seinem Wechsel von Thüringen 2006 bekanntgewesen seien, konnte der Würzburger Sprecher nicht sagen. Das Erfurter Bistum habe ihn für eine Aufgabe im volkskirchlichen Bereich empfohlen, da er nicht für die Diaspora geeignet sei. Der im Eichsfeld geborene Mann hatte allerdings von 1978 bis 1992 als Pfarrer in seiner katholisch geprägten Heimatregion gearbeitet. Seine Abberufung 1992 habe die Gemeinde „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ getroffen, hieß es in einem Beitrag von 2006 einer regionalen Monatszeitschrift.

Die aktuelle Strafanzeige ging nach Angaben des Justizministeriums am Donnerstag ein. Der Priester war nach Angaben des Bistums im August 2006 wegen Verstößen gegen die Anstaltsordnung von der Tätigkeit in den Gefängnissen in Ichtershausen und Gräfentonna entbunden worden. Dies sei auf Veranlassung des Ministeriums geschehen. Das Ministerium bedauerte, dass es vom Bistum nicht über Vorwürfe informiert worden sei. Jetzt gelte es, das erschütterte Vertrauen wiederherzustellen, erklärte Staatssekretär Dietmar Herz.

Nach Angaben des Erfurter Bistums stand der Beschuldigte seit 2003 unter Aufsicht eines 2002 ernannten Beauftragten für Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch. Seit 1997 habe es aber keine Anhaltspunkte für Fehlverhalten gegeben. Die auch vom Justizministerium geforderte Überprüfung aller bisherigen Gefängnisseelsorger habe keine weiteren Anhaltspunkte ergeben.

Vor knapp zwei Wochen war als erster Thüringer Verdachtsfall die sexuelle Belästigung eines Mädchens im Raum Weimar aus dem Jahr 2000 bekanntgeworden. Ermittelt wird gegen einen einschlägig vorbestraften Priester aus dem Bistum Fulda, der zur Bewährung zwischen 1997 und 2004 nach Weimar versetzt war.
 
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