Mitteldeutschland
Landesjagdverband Sachsen wirbt um Jagdrecht für den Wolf - Kritik an NABU
Olaf Majer
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Leipzig. Sachsens Landesjagdverband wirbt intensiv um eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht. "Erst durch die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht wäre ein ganzheitliches Wildtiermanagement und die bestmögliche Umsetzung des Managementplanes für den Wolf möglich", sagte Landesjagdverbands-Präsident Knut Falkenberg der LVZ (Samstag-Ausgabe). Dies sei in unserer Kulturlandschaft notwendig, da die Beutetiere des Wolfes zu über 90 Prozent ebenfalls dem Jagdgesetz unterstehen.
Die sächsischen Jäger seien bereit, die Verantwortung für den Wolf zu übernehmen. "Viele Jäger haben sich in den vergangenen Jahren Wissen angeeignet. Schulung und Ausbildung gehen weiter. Die Jäger sind flächendeckend in großer Anzahl mit viel Zeiteinsatz und Sachverstand integrierbar", so Falkenberg. Nach den Plänen von Umweltminister Frank Kupfer (CDU) soll der Wolf in Sachsen auch nach der geplanten Aufnahme in das Jagdrecht streng geschützt bleiben.
Entschieden weist Falkenberg Vorwürfe von Grünen und Naturschützern zurück, die vehement eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ablehnen und den Jägern die notwendige Kompetenz absprechen. "Wir hätten keine Wolfspopulation, wenn die sächsischen Jäger in der Vergangenheit nicht verantwortungsvoll und diszipliniert gehandelt hätten. Der Wolfsschutz braucht verlässliche Partner und keinen NABU der kneift und die Augen verschließt, wenn ihm die Sonne zu stark durch die rosarote Brille scheint", so Falkenberg.
Dass der NABU seine finanzielle Förderung des sächsischen Wolfsmanagments aus Protest gegen die Jagdrechtspläne aussetzen will, wertet Falkenberg als überzogene Polemik: "Wir haben den Eindruck, der NABU reagiert wie ein kleines Kind, dem man sein liebstes Spielzeug wegnehmen will." Dabei seien die Jäger an Kooperation interessiert. "Wir reichen immer noch jedem die Hand, obwohl wir schon mehrfach ungerechtfertigt in diese Hand gebissen wurden."
Eine Bejagung des Wolfes steht laut Falkenberg derzeit nicht zur Debatte. "Vielleicht wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, zu dem der Wolf bejagt werden muss. Allerdings setzt das eine stabile Population, die gesetzliche Befugnis und die gesellschaftliche Akzeptanz oder sogar eine entsprechende Anforderung voraus", so der Landesjagdverbands-Präsident. Zum jetzigen Zeitpunkt aber bedürfe der Wolf des strengen Schutzes. "Das Jagdrecht bietet hierfür beste Voraussetzungen. Alle Kommunen halten eine Feuerwehr bereit, wenn gleich sie hoffen, dass es nicht brennt."
Falkenberg glaubt auch nicht, dass der Wolf irgendwann einmal die Jäger überflüssig macht, weil der Wolf die Rolle des Wildtier-Regulators im Wald übernimmt. Ein Wolf habe einen Nahrungsbedarf von etwa 4,5 Kilogramm Fleisch pro Tag. Demnach wären allein nur in Sachsen 728 Wölfe notwendig, um die gleiche Reduktion der Wildbestände zu erreichen, wie sie die sächsischen Jäger in der Saison 2010/2011 erzielt haben." Die gesellschaftliche Akzeptanz für eine so große Anzahl wird aber nicht gegeben sein", so Falkenberg. Zudem würde der Jäger viele andere wichtige Leistungen für die Gesellschaft erbringen, wie die Biotoppflege und nachhaltige Bewirtschaftung des Wilds. "Diese Aufgaben kann kein Wolf meistern. Die Wölfe können also die Jäger nicht arbeitslos machen."
© LVZ-Online, 29.07.2011, 21:22 Uhr