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Mitteldeutschland

Mehr als 500 Kinder in DDR-Heimen misshandelt

Leipzig/Torgau. In der Debatte um missbrauchte Kinder und Jugendliche melden sich immer mehr Opfer aus DDR-Zeiten zu Wort. Die Zahl der Zöglinge, die in Heimen und Jugendwerkhöfen durch Prügel, Einzelhaft oder sexuelle Übergriffe misshandelt wurden, geht in die Hunderte.

Allein seit Beginn der Aufarbeitung Ende der 90er Jahre "haben wir Kontakte zu 500 ehemaligen Heimbewohnern, die über Leiden und verschiedene Misshandlungen berichteten", sagte die Leiterin der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, Gabriele Beyler, am Montag. Diese Zahl beziehe sich auf Opfer quer durch die DDR. Beyler rechnet damit, dass sich noch viele weitere Misshandelte melden.

zum Thema Weitere Opfer von Gewalt in DDR-Heimen melden sich Kirche zeigt Priester wegen sexueller Nötigung an Ruf nach Aufklärung - Heim-Opfer: „Waren Freiwild“ Hintergrund: DDR-Kinderheime Schläge und sexuelle Belästigung im Eilenburger Ernst-Schneller-Heim - Ehemalige berichten „Gesellschaft muss mit klarem Konzept reagieren“ Sachsen gegen Verlängerung der Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch "An Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe kann ich mich nicht erinnern" Neue Zeugen melden Missbrauch in Eilenburger Heim - Schläge und sexuelle Belästigung Mehr Fotos von dem Ernst-Schneller-Heim
"Es müssen nicht alle ehemaligen offenen und geschlossenen Jugend- und Kinderheime betroffen sein, aber ein großer Teil", berichtete Beyler, die ständig im Kontakt mit Opfer-Anlaufstellen steht. Seit den jüngsten Berichten über sexuelle Übergriffe in DDR-Heimen würden sich täglich weitere Ex-Insassen melden. Betroffen sind neben der geschlossenen Anstalt in Torgau Heime in allen Ost-Ländern. Dazu zählen Sonneberg in Thüringen, Pretzsch in Sachsen-Anhalt, die sächsischen Orte Meerane, Eilenburg und Leipzig sowie Einrichtungen, die zum ehemaligen "Kombinat der Sonderheime Berlin" gehörten.

Einstige Heimbewohner berichteten auch von massiven sexuellen Übergriffen ihrer Erzieher. Es sei zudem versucht worden, Kinder mit Psychopharmaka "ruhig zu stellen".

Der Berliner Stefan Lauter war 1985 als 17-Jähriger in den Torgauer Jugendwerkhof gekommen. "Das war nichts anderes als ein Kinder-Zuchthaus", sagte er der Leipziger Volkszeitung. "Ich sollte in militärischer Haltung vor der Kleiderkammer warten", berichtete er über seinen ersten Tag. "Nach Stunden habe ich einen Erzieher gefragt, wie lange das noch gehen würde. Er schlug mir seinen Schlüsselbund ins Gesicht, und ich kam drei Tage in eine Arrestzelle. Das war das übliche Prozedere für Neuankömmlinge."
Anfang der 90er habe er gegen sämtliche ihm bekannten Erzieher des Jugendwerkhofes Anzeige erstattet. Die Ermittlungen seien jedoch "wegen mangelnden öffentlichen Interesses" eingestellt worden.
 
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