Dresden. In Sachsen hat die Kälte am Mittwoch deutlich nachgelassen. Im Vergleich zum Vortag stiegen die Temperaturen teilweise um bis zu zehn Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Leipzig mitteilte. Trotzdem blieb es kalt im Freistaat: Der kälteste Ort war mit minus 18 Grad die Spitze des Fichtelbergs, gefolgt von Carlsfeld und Zinnwald im Erzgebirge mit minus 16 Grad. In Leipzig, Dresden und Oschatz lag die Temperatur bei minus neun Grad.
Viele Menschen weichen auf öffentliche Verkehrsmittel aus, Busse und Straßenbahnen sind derzeit gut gefüllt. „Wenn es kalt wird, lassen viele ihr Auto lieber stehen“, sagte Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Im vergangenen Winter verbuchten die DVB allerdings noch größeren Zulauf - damals türmte sich der Schnee in der Landeshauptstadt. Auch die Deutsche Bahn freut sich über mehr Fahrgäste. „Genaue Zahlen haben wir aber noch nicht“, sagte ein Sprecher.
Viele Autowerkstätten in Sachsen sind derzeit vor allem mit dem Abschleppen liegen gebliebener Autos beschäftigt. Gerade bei Dieselfahrzeugen verstopfen bei Temperaturen unter minus 22 Grad Filter und Leitungen. „Außerdem müssen derzeit viele Batterien ausgetauscht werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Kfz-Landesverbandes, Ulrich Große. Der Frost lasse allerdings nicht unbedingt die Kassen klingeln. „Meist ist es mit dem Abschleppen und Auftauen des Autos getan.“
Die Mitarbeiter der Kommunalen Wasserwerke Leipzig sind derzeit im
Dauereinsatz
: Seit dem Kälteeinbruch in der vergangenen Woche mussten allein 36 defekte Hauptrohre geflickt und 30 kaputte Unterflurhydranten zum Laufen gebracht werden. Manche Haushalte hatten stundenlang kein Wasser. Der Dauerfrost verändere die Spannung im Boden, hieß es. Vor allem alte Leitungen oder durch oberirdische Verkehrsbelastung stark beanspruchte Rohre könnten bei den derzeitigen Temperaturen leicht kaputt gehen.
Auch wenn auf der Elbe am Mittwoch weniger Eisschollen trieben als in den Tagen zuvor, bleibt sie vorerst für die Schifffahrt gesperrt. „Eine Aufhebung ist nicht in Sicht, zumal es in den kommenden Tagen wieder kälter werden soll“, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Mehrere Binnenschiffe mussten wegen des Treibeises einen Schutzhafen aufsuchen und sitzen derzeit in den sächsischen Elbhäfen fest.
Während Sachsen bei zweistelligen Minusgraden bibbert, herrschen im Gondwanaland des Leipzigers Zoos mehr als 20 Grad plus. Das wissen auch die Besucher der Riesentropenhalle zu schätzen. Zoo-Chef Jörg Junhold freut sich über Besucherzahlen, wie sie früher im Winter noch unerreichbar waren. „Was wir sehen ist, dass unsere Rechnung aufgeht, dass wir in den kalten Wintermonaten viel mehr Gäste haben als früher“, sagte er. Im Januar seien 35.000 Besucher gekommen, im Dezember 70.000. Das seien drei bis viermal so viele wie in früheren Jahren.
Auch die Kostenrechnung für die riesige Halle gehe auf. Die Kälte treibe zwar die Heizleistung nach oben, aber: „Wir haben die Halle sehr bewusst planen lassen, dass sie auch nach Mitteleuropa passt - und da waren solchen Temperaturen einkalkuliert.“