Mitteldeutschland
NPD-Spitzenkader Roßmüller ist Mitglied der Motorradgang Bandidos
Jürgen Kochinke
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Der Fraktionsvorsitzende der rechtsextremen NPD im Sächsischen Landtag, Holger Apfel.
Dresden. In offiziellen Reden pflegt die rechtsextreme NPD gern das Image eines Ordnungshüters. Der NPD-Innenpolitiker Andreas Storr zum Beispiel sprach sich im Januar vehement dafür aus, dass "das Gewaltmonopol beim Staat zu liegen" habe.
Doch nun hat die Neonazi-Fraktion genau hier ein Problem. So ist ein Spitzenkader der braunen Truppe Mitglied der organisierten Motorradgang Bandidos, die sich mit anderen Bikerclubs zum Teil blutige Machtkämpfe liefert. Dabei handelt es sich um Sascha Roßmüller, der als externer Mitarbeiter in der NPD-Landtagsfraktion arbeitet. Roßmüller gehört zur Bandido-Riege im bayerischen Regensburg.
Motorradclubs dieser Art stehen in Verdacht, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Über Sicherheits-Firmen sollen sie Einfluss auf Türsteher in Diskos und Nachtlokalen nehmen, um auf diesem Wege auch die Drogendealer-Szene zu kontrollieren. Roßmüller war früher im NPD-Bundesvorstand, derzeit ist er stellvertretender Landesvorsitzender in Bayern. In der sächsischen Landtagsfraktion ist er für Wirtschaftsfragen zuständig.
Für die NPD ist der Fall allemal unangenehm. Nicht nur, dass die Bandido-Mitgliedschaft am Saubermann-Image der Neonazis kratzt, ist ein Problem. Heikel ist auch, dass Roßmüller als Vertreter des Flügels von Sachsens Fraktionschef Holger Apfel im NPD-internen Machtkampf mit Noch-Bundeschef Udo Voigt gilt. Entsprechend sah sich Apfel genötigt, zum peinlichen Club-Einsatz seines Führungskaders Stellung zu nehmen. Der Tenor lautet: Die Mitgliedschaft allein sei kein Kündigungsgrund. "Kamerad Roßmüller" habe erklärt, in keine kriminellen Angelegenheiten verwickelt zu sein. Somit sei er, Apfel, nicht bereit, "einen seit 20 Jahren im nationalen Lager engagiert kämpfenden Parteifreund zu ,opfern'".
© LVZ-Online, 10.03.2010, 22:55 Uhr