Mitteldeutschland
Polizei und Sport beraten nach Spielabbruch: Ministerium sieht Zuständigkeit beim Verband
sl / spa
Leipzig. Nach den erneuten Randalen während eines
Auswärtsspiels von Roter Stern Leipzig (RSL) beraten Vertreter von Polizei,
Fußballverband und Politik über Konsequenzen. Der Spielabbruch solle am
Montagabend Thema im Ausschuss für Sport und Sicherheit beim
Landespräventionsrat werden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Frank
Wendt. Der Ausschuss komme turnusmäßig zusammen. Die Polizei ermittelt weiter
wegen der Auseinandersetzungen zwischen RSL- und SV Mügeln-Fans sowie wegen der
Angriffe auf Polizisten. Das Spiel war am Samstag nach antisemitischen
Schmähgesängen in der 80. Minute abgebrochen worden.
„Wir sind auf unterschiedlichen Ebenen im Gespräch“, so Wendt gegenüber
LVZ-Online. Er verwies auf die Initiative von Staatsminister Ulbig (CDU) zur
Einführung eines Sicherheitseuros bei Fußballspielen und auf die finanzielle
Förderung der Fanprojekte. „Wir können nur mit dem Verband reden“, so Wendt.
Man werde wegen des Vorfalles jetzt nicht in Aktionismus verfallen, sagte er.
Welche Schlussfolgerungen am Ende stehen würden, wollte der
Ministeriumssprecher noch nicht prognostizieren. Mehr Geld für die Fanprojekte
sei nur eine Überlegung. Zudem nahm Wendt deutlich den Sächsischen
Fußballverband in die Pflicht. Bei Vorfällen wie in Mügeln oder zuvor in
Brandis sei nicht primär das Ministerium in der Verantwortung. Vielmehr sei es
„Baustelle des Verbandes“, sagte Wendt.
Dieser sieht umgekehrt die Politik in der Pflicht. Die
Zusammenarbeit zwischen Verband, Vereinen und Polizei im Vorfeld der Partie sei
gut gewesen, so Lutz Mende, Leiter Spielbetrieb beim Sächsischen Fußballverband
am Montag. Die Polizei habe signalisiert, dass das Spiel auch an dem Tag
ausgetragen werden könne. „Viel mehr können wir nicht leisten“, so Mende zu
LVZ-Online.
Man müsse sehen, was man den Vereinen zumuten könne. Ein
Sportplatz wie Mügeln habe nun einmal nicht den Sicherheitsstandard des
Leipziger Zentralstadions, und den brauche es in der 8. Liga normalerweise auch
nicht. „Wir als Verband können die Zuschauer nicht bestrafen“, sagte Mende.
Hier sei die Politik gefordert. Wenn solche Leute auftauchten, müssten sie mit
allem sanktioniert werden, was das Gesetz hergibt.
Aus der Politik wird derweil der Ruf nach Konsequenzen laut. Nicht die
Symptome, sondern die Ursachen extremistischer Übergriffe am Rande von
Fußballspielen müssten bekämpft werden, forderten Landtagsabgeordnete von SPD
und Linken am Montag.
Die sportpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Verena Meiwald, forderte
Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf, „die Präventionsarbeit im Fußball in
allen Bereichen zu erhöhen“. Der Minister solle zur Kenntnis nehmen, „dass
Fußballspiele, egal in welcher Liga, immer verstärkter und öffentlich dazu
genutzt werden, rechtes Gedankengut zu transportieren“. Der SPD-Abgeordnete
Henning Homann schlug einen Runden Tisch „Tolerantes Stadion“ vor, an dem
Vereine, Fanprojekte, Politik und Sicherheitsbehörden ein gemeinsames Vorgehen
entwickeln sollten.
© LVZ-Online, 26.04.2010, 15:51 Uhr