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Mitteldeutschland

Polizisten aus Sachsen-Anhalt betrinken sich in Nobelhotel - Untersuchung angekündigt

Von wegen ein Schluck in Ehren: Wer zu viel Alkohol trinkt, erhöht laut Experten das Risiko, an Krebs zu erkranken. (Bild: dpa) Foto: dpa
Hamburg/Magdeburg. Sie waren für einen Polizeieinsatz gegen Krawalle im Hamburger Schanzenviertel gekommen - und machten dann selbst Ärger: In einem noblen Hamburger Hotel haben Polizisten aus Sachsen-Anhalt ein Trinkgelage veranstaltet und betrunken andere Gäste belästigt. Der Vorfall müsse „ordentlich untersucht“ werden, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in der Hansestadt. Er bestätigte damit einen Bericht des „Hamburger Abendblatt“.

Die Beamten einer Hundertschaft der Landesbereitschaftspolizei aus Magdeburg waren am vergangenen Wochenende in dem Vier-Sterne-Hotel im Norden Hamburgs untergebracht, weil sie ihre Kollegen bei einer Demonstration im Schanzenviertel unterstützen sollten. Dort hatten am Samstag rund 800 Menschen gegen Polizeigewalt und staatliche Repression protestiert.   

Nach dem Ende ihres Einsatzes gegen 23.00 Uhr seien Polizisten biertrinkend und grölend durch die Flure des Golfhotels getaumelt, hätten eine Hochzeitsgesellschaft gestört und Hotelangestellte verbal attackiert, bestätigte der Sprecher. „Wenn ich Hotelgast gewesen wäre, hätte ich wohl die 110 angerufen.“ Ein betrunkener Beamter soll sich sogar übergeben haben.

„Nach meinen Erkenntnissen haben 16 der 100 Beamten ein Verhalten an den Tag gelegt, das nicht angemessen war und das ich nicht tolerieren kann“, sagte der amtierende Direktor der Bereitschaftspolizei, Rigo Klapa, der dpa. Ob Disziplinarverfahren eingeleitet werden, sei noch nicht entschieden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Martin Krems. Bei der Polizei in Hamburg habe man sich schriftlich für die Ausfälle entschuldigt.   

Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch sei „stinksauer“ gewesen und habe sich bei dem Hotel entschuldigt, berichtete der Sprecher der Polizei in der Hansestadt. „Die Veranstalter haben hanseatisch gelassen reagiert - weil es ein Einzelfall war.“ Die Polizei habe in dem Quartier schon häufiger Zimmer für Kräfte von außerhalb gebucht.   

Wenn Hamburg Beamte aus anderen Bundesländern anfordere, müssten diese „nach bestimmten Kriterien“ untergebracht werden, erläuterte der Sprecher. „Sie können nicht mit 100 Leuten in einer Turnhalle schlafen.“ Das Hotel müsse zentral gelegen sein - und ermöglichen, dass alle Beamte samt des Fahrzeugparks gemeinsam untergebracht sind. „Es gibt in Hamburg nicht so viele Hotels, wo man das machen kann.“    Das Vier-Sterne-Hotel liegt im Naturschutzgebiet Alstertal. Im Internet wirbt die Nobelherberge mit einem Meisterschaftsgolfplatz, einem Höchstmaß an Service - und einem garantiert „unvergesslichen Aufenthalt“.

„Wir werden die Vorfälle aufklären und ein angemessenes Strafmaß finden“, sagte der Chef der Bereitschaftspolizei, Klapa. Er wandte sich gegen eine pauschale Verurteilung der ganzen Truppe. Es tue ihm sehr weh, dass einzelne Beamte die sehr gute Arbeit der Landesbereitschaftspolizei in Verruf gebracht haben.

Einige Kollegen hätten angegeben, sich in unangemessener Lautstärke unterhalten zu haben, sagte Klapa. In einem Gespräch mit der Hotelleitung sei deutlich geworden, dass die anwesenden Gäste das Auftreten der Beamten in Dienst-T-Shirts als störend empfanden.    Die Polizisten hatten laut „Hamburger Abendblatt“ zwar keine Rufbereitschaft und mussten daher auch nicht sofort wieder einsatzbereit sein. Dass sie sich betrinken, ist dennoch verboten: Ihre „Funktionsfähigkeit“ muss gewährleistet sein.
 
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