Mitteldeutschland
SemperOpernball ehrt Michael Jackson posthum mit Orden - Schwester La Toya zu Gast
Jörg Schurig, dpa
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Michael Jackson
Dresden. Michael Jackson hat so viel mit Dresden zu tun wie das Fußballnationalteam der Pazifikinsel Samoa mit dem Ausgang der Weltmeisterschaft. Dennoch macht der Verein des SemperOpernballs den im Sommer 2009 verblichenen King of Pop zu einem Aushängeschild der 5. Ball-Auflage an diesem Freitag: Dann wird der Sänger mit dem „Dresdner St. Georgs Orden des SemperOpernballs“ posthum für sein soziales Engagement geehrt. „Michael Jackson hat 39 Stiftungen und Charityprojekte unterstützt, seine eigene Stiftung (Heal The World Foundation) gegründet und in Summe mehr als 300 Millionen US-Dollar gespendet“, sagt der Chef des Ball-Vereins, Hans-Joachim Frey.
Jacksons Schwester La Toya soll das Schmuckstück stellvertretend in Empfang nehmen. Auch Sachsens Ex-Regierungschef Kurt Biedenkopf (CDU) und Tenor José Carreras erhalten den Orden - eine Nachbildung des Anhängers „Heiliger Georg zu Pferde“ aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Die Replik aus 18-karätigem Gold ist mit der Gravur „Adverso Flumine“ (Gegen den Strom) verziert. Inwieweit das auf alle Preisträger zutrifft, bleibt ein Geheimnis. Vor einem Jahr hieß der Anhänger noch „Sächsischer Dankesorden“. Seine Verleihung an den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin sorgte damals für Kritik, brachte dem Ball aber auch viel mediale Aufmerksamkeit.
Beim 5. Opernball dreht sich alles um „Traumpaare“. Für das Motto bieten die Organisatoren mehrere Deutungen an. „Seien es die Semperoper und Dresden, Dresden und Sachsen oder Ost und West - besondere Traumpaare feiern 2010 Jubiläum“, heißt es da mit Blick auf 20 Jahre deutsche Einheit und den 25. Geburtstag der Semperoper nach ihrer Wiedereröffnung. Aber auch Opern-Traumpaare wie Tristan und Isolde oder Lenore und Florestan sollen eine Rolle spielen. Denn in erster Linie geht es an diesem Abend um Tanz und Musik. Als Stargast ist der altersweise Rock-’n’-Roller Peter Kraus aufgeboten. Bis früh um 05.00 Uhr soll es ordentlich zur Sache gehen.
Um den Dresdner Opernball möglichst weithin erstrahlen zu lassen, ist
Frey jedes Jahr um Prominente bemüht. Ranghöchster ist in diesem Jahr
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), auch mehrere Politiker
mit dem Vermerk a.D. stehen auf der Liste, darunter Edmund Stoiber,
Georg Milbradt und Rudolf Seiters.
Auch zahlreiche Ex-Manager wie
Wendelin Wiedeking oder Hartmut Mehdorn tummeln sich in den Logen. Mit
einer Personalie erhält die DDR posthum weltpolitische Bedeutung:
Sigmund Jähn ist als „1. Mondfahrer der DDR“ angekündigt. TV-erprobte
Gesichter wie Regisseur Dieter Wedel oder Pelz-Designer Alfredo Pauly
komplettieren die illustre Runde.
Hans-Joachim Frey ist ohnehin von der Bedeutung seines Balls überzeugt.
„Auch Wien schaut jetzt schon auf Dresden“, sagte der frühere Dresdner
Operndirektor und aktuelle Bremer Generalintendant. Immerhin hat es
Frey geschafft, den 1,3 Millionen Euro teuren Ball in der Elbestadt zu
etablieren und sogar das „einfache Volk“ zu begeistern.
Denn jedes Jahr
tanzen in winterlicher Kälte vor der Semperoper tausende Dresdner mit.
Das Geschehen aus dem Musentempel wird über Videowände nach außen
übertragen und durch ein eigenes Programm bereichert.
Fernsehübertragungen sichern bundesweit und via 3sat sogar
internationales Publikum.
Hinter all dem steckt viel Arbeit. Die Oper wird umgerüstet und quasi
in ein Fernsehstudio verwandelt, vier Tage gibt es keine Aufführung.
Kurz vor dem Spektakel sind alle Tickets ausverkauft. Kulturmanager
Bernd Aust räumt ein, dass die Warteliste diesmal nicht ganz so lang
war.
„Trotz Rezession und Finanzkrise, die sich natürlich auch im
Zusammenhang mit dem SemperOpernball bemerkbar macht, sind viele
interessante Gäste unserer Einladung gefolgt“, sagt er und zieht
insgesamt eine positive Bilanz. Nun hoffen die Organisatoren darauf,
dass sich in der „schönsten Nacht des Jahres“ in und außerhalb der Oper
möglichst viele Traumpaare finden.
© LVZ-Online, 13.01.2010, 13:18 Uhr