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Mitteldeutschland

Streit um Wolfsprojekt in Sachsen

Der Naturschutz hat in Sachsen einen neuen Verbündeten - die Bundeswehr. Am Freitag unterzeichneten das sächsische Umweltministerium und das Bundesverteidigungsministerium einen Vertrag zum Schutz von Pflanzen und Tieren.   Foto: dpa
Dresden. Der Wolf bleibt in Sachsen ein Politikum. Inzwischen sorgt das Raubtier sogar innerhalb der Union für Konflikt. Nachdem CDU-Kommunalpolitiker aus Ostsachsen das „Wolfsprojekt“ am Dienstag kritisch ins Visier nahmen, schoss das unionsgeführte Umweltministerium unmittelbar zurück. „Ich bin verwundert über die Art und Weise der Information und werde umgehend das Gespräch mit den Verantwortlichen vor Ort suchen“, erklärte Minister Frank Kupfer.

Offenbar waren die Kommunalpolitiker ohne Absprache mit der Regierung vorgepirscht. Kupfer stellte die Rechtslage klar. Gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU sei Sachsen verpflichtet, den Schutz der Wölfe im Freistaat zu gewährleisten. Dabei seien auch Landkreise als Naturschutzbehörde in der Pflicht. Zudem sei der „Managementplan“ für die Wölfe unter Mitwirkung der Landkreise entstanden, zeigte sich der Minister verwundert.

Die Kommunalpolitiker bekannten sich zwar allgemein zu Naturschutz und Heimatpflege. Aus Sparzwängen stellten sie jedoch den Umfang der wissenschaftlichen Begleitung des Wolfsprojektes infrage und sahen das Geld besser in Kinder- und Jugendarbeit investiert. In Sachsen gibt es derzeit Protest gegen Sozialkürzungen. Die „Sächsische Zeitung“ zitierte am Dienstag den Bautzener CDU-Landrat Michael Harig mit den Worten, Kinder und Jugendliche seien „erst einmal wichtiger als Wölfe“.   

Bei der Opposition im Landtag stieß diese Argumentation auf Kritik. „Die Summe, die die überwiegend der CDU angehörenden Lausitzer Spitzenpolitiker an den Wölfen sparen wollen, entspricht etwa zwei Prozent der geplanten Kürzungen bei der Jugendhilfe - damit ist die haushaltspolitische Absurdität des Vorschlags offenkundig“, erklärte die Abgeordnete Jana Pinka (Linke). Die Grünen sprachen von populistischen Forderungen. „Die Wölfe sind ein positiver Imagefaktor für die Lausitz“, hob der Parlamentarier Johannes Lichdi hervor.  

Im sächsischen Teil der Lausitz leben derzeit fünf Wolfsrudel, im Süden Brandenburg sind es ein Rudel und ein welpenloses Paar. Die Bauern in der Region haben auch Verluste an Tieren zu beklagen: 2009 rissen die Wölfe 22 Schafe, 2007 waren es 70. Für das Wolfsprojekt sind das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ in Rietschen und das Senckenberg-Museum in Görlitz zuständig. Die Mittel kommen komplett vom Land. Das Büro erhielt 2009 insgesamt 54 500 Euro, das Museum für diesen Zweck rund 91 000 Euro. 
 
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