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"Alle Risiken im Blick": Ratsfraktionen diskutieren Bettina Kudlas Vorwürfe an OBM Burkhard Jung
Andreas Tappert
Ob Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) eine Mitschuld am
Finanzdesaster der Kommunalen Wasserwerke Leipzig trifft oder nicht,
spaltet die Ratsfraktionen.
"Die jetzige Auslassung Bettina Kudlas kann man nur noch als Ausdruck
fortgeschrittener Amnesie werten", erklärte Fraktionschefin Ilse Lauter
(Linkspartei) mit Blick auf einen Brief, in dem Kudla eine mangelhafte
Transparenz der Finanzströme des Stadtkonzerns LVV sowie Versäumnisse
bei der Kontrolle der Geschäftsführer reklamiert hatte (die LVZ
berichtete). "Von irgendwelchen Protesten durch Frau Kudla gegen
obskure Geschäftspraktiken ist bisher nichts öffentlich bekannt
geworden." Auch in den Protokollen der Ratsversammlung finde sich von
ihr kein kritischer Vermerk zu intransparenten Finanzstrukturen im
Stadtkonzern. Ihre Fraktion habe in den Jahren 2007 und 2008 im Rat
Fragen zu den Risiken der Cross-Border-Leasing-Verträge gestellt, so
Lauter. "Damals hieß es aus dem Mund Frau Kudlas, man hätte alle
Risiken im Blick."
Fraktionschef Wolfram Leuze (Bündnisgrüne) erklärte, Kudlas Angriff sei
"an Schäbigkeit kaum zu überbieten". Denn sie sei als Leipzigs
zuständige Finanzbürgermeisterin auch für die Prüfung der
Jahresabschlüsse der Stadtfirmen zuständig gewesen. Und der
KWL-Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Müller (SPD) - dem Kudla das
Fehlen einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung und unternehmerischer
Erfahrung attestiert hatte - habe "seine Verpflichtungen aus den von
ihm wahrgenommenen Aufsichtsratsmandaten bei kommunalen Firmen jeweils
regelmäßig und genauestens vorbereitet wahrgenommen".
Für SPD-Fraktionsvorsitzenden Axel Dyck ist Kudla die
Hauptverantwortliche für die Stadtfinanzen und für die Finanzströme
zwischen den Tochterunternehmen in den letzten fünf Jahren. "Sie ist
aus diesem Grunde vom Stadtrat in die Aufsichtsräte von KWL, SWL, LVB
und der LVV gewählt worden - nur war sie leider nicht regelmäßig
anwesend", so Dyck. "Frau Kudla muss sich fragen lassen, ob sie ihrer
Aufgabe gewachsen war."
Fraktionschef Michael Burgkhardt erklärte: "Unsere Bürgerfraktion hatte
immer die zum Teil merkwürdigen Führungsstrukturen in den kommunalen
Betrieben und den Betrieben mit kommunaler Beteiligung kritisiert. Die
jetzt geäußerten Bedenken von Bettina Kudla sind für uns deshalb nicht
neu und wir können uns dieser Bewertung in weiten Teilen anschließen."
Ähnlich sieht dies der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende René
Hobusch. "Fakt ist: Die Stadt hat es verschlafen, die Steuerung der
kommunalen Unternehmen zu verbessern", sagte er. Der LVV-Aufsichtsrat
benötige echten - auch externen - Sachverstand. "Die nach Parteibuch
und Gefallen besetzten anderen Aufsichtsräte können wir uns dann ganz
getrost sparen."
© LVZ-Online, 27.01.2010, 08:53 Uhr