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Bahn gibt Trasse über Halle Vorrang - Stundentakt mit Technikproblemen begründet
Andreas Dunte
Leipzig. Wegen anhaltender Technikprobleme an ihrer ICE-Flotte hat die Bahn neue Fahrpläne für Dezember erarbeitet. Für den Fernverkehr in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt bedeutet das nach Informationen dieser Zeitung erhebliche Verschlechterungen. Geplant ist unter anderem eine schnelle Nord-Süd-Verbindung über Halle und damit vorbei an Leipzig.
Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen die ICE-Hochgeschwindigkeitszüge auf den Strecken Frankfurt/Main-Leipzig-Dresden und Berlin-Leipzig-München nicht mehr im Stundentakt verkehren. Als Grund für die Einschnitte gibt die Bahn Probleme bei der ICE-Flotte an. Derzeit würden Gespräche mit den Verkehrsministerien der betroffenen Bundesländer sowie den Bestellern des Nahverkehrs geführt - für den Fall, dass die Neigetechnik-ICE "vor dem Radsatzwellentausch nicht bogenschnell fahren werden", sagte eine Bahnsprecherin der Leipziger Volkszeitung. Denn die Züge erreichen bei ausgeschalteter Technik nicht die geplanten Geschwindigkeiten in den Kurven. Ziel sei es, "bis zur Wiederinbetriebnahme der Neigetechnik" einen verlässlichen Verkehr anzubieten.
Eine andere Gestaltung wäre aber durchaus möglich gewesen, meinen Verkehrsexperten. Im Fahrplan 1999 habe es beispielsweise eine stabile Stundentaktlage mit IC-Wagen gegeben. Offenbar liege der Bahn daran, auf einigen ausgewählten Verbindungen besonders schnell zu fahren, dafür opfere sie den Stundentakt.
So plant die Bahn eine schnellere Verbindung von Berlin nach München über Halle, während Reisende über Leipzig umsteigen und erheblich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen.
Im aktuellen Fahrplan der Deutschen Bahn werden noch stündliche durchgängige ICE-Verbindungen auf der Strecke Berlin-Leipzig-München angeboten. Der stark beworbene Service soll aber mit der Fahrplanumstellung wegfallen.
Nach den Plänen verkehrt ab Dezember nur noch aller zwei Stunden ein umsteigefreier ICE. Dazwischen will die Bahn eine ICE-Verbindung mit Umsteigezwang in Naumburg (Sachsen-Anhalt) anbieten. Aber auch die durchgängige Verbindung führt zu einer Verschlechterung, da sie ab Nürnberg nicht über die schnelle Neubaustrecke (über Ingolstadt) sondern über Augsburg verläuft und zudem im nördlichen Abschnitt wesentlich mehr Zwischenhalte hat als der ICE von Berlin über Halle. Den lässt die Bahn nach bisherigen Plänen über die schnelle Trasse (Ingolstadt) fahren. Der ICE über Halle werde damit rund 50 Minuten schneller sein als der über Leipzig.
Experten sehen in dieser Entscheidung der Bahn auch einen Vorgriff auf das Neu- und Ausbauprojekt VDE Nummer 8, das 2015/2017 fertig sein soll und auf dessen Teiltrasse bis Erfurt vor Kurzem Halbzeit gefeiert wurde. Hier werde ein Zustand zementiert, der Leipzig vom Verkehr zwischen den Metropolen abhängt. Wer in Berlin einen schnellen Zug wähle, nehme den über Halle, so die Befürchtung. Auswirkungen habe der Fahrplan vor allem auch für den Nahverkehr, Anschlüsse fielen weg und das Angebot verschlechtere sich - in ganz Mitteldeutschland.
Die ICE auf der Strecke Frankfurt-Leipzig-Dresden kommen ab Dezember nach Informationen dieser Zeitung nicht mehr im Stundentakt in Leipzig an, sondern im wechselnden 40- und 80-Minutentakt. Die Halte Eisenach, Weimar und Riesa werden statt stündlich nur noch alle zwei Stunden angefahren. Ferner soll es Überlegungen geben, Fahrzeitverlängerungen für den IC zwischen Leipzig und Dresden durch den zweistündlichen Wegfall des Halts in Dresden-Neustadt zu kompensieren. Hinter den Kulissen muss es mächtig brodeln. Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP): "Das Fernverkehrsangebot der Deutschen Bahn AG ist bisher bei Weitem nicht befriedigend. Die derzeitigen Überlegungen der Bahn deuten nun auf eine weitere Verschlechterung hin." Die Technikprobleme bei den Fahrzeugen der Bahn dürften aber nicht noch mehr zulasten der Anbindung Sachsens an den Fernverkehr gehen. "Wir sind darüber zurzeit in intensiven Verhandlungen mit der Bahn", so Morlok.
© LVZ-Online, 10.03.2010, 23:34 Uhr