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„Die ganze Bandbreite“ – RSL-Fan berichtet von rechtsradikalen Gesängen von Anfang an

Mügeln/Leipzig. Nach dem Abbruch des Bezirksklasse-Spiels zwischen dem SV Mügeln-Ablaß und Roter Stern Leipzig am Sonnabend gibt es weiterhin widersprüchliche Aussagen zu den Vorfällen. Das Spiel war nach 80 Minuten abgebrochen worden, nachdem ein Teil der etwa 600 Zuschauer rechtsradikale Parolen skandiert und rassistische Lieder gesungen hatte.

Dabei widersprechen sich die Aussagen der Parteien. Während ein Fan von Roter Stern gegenüber LVZ-Online von rechtsradikalen Sprüchen von Anfang an berichtet, bekräftigte Mügelns Vereinspräsident und Bürgermeister Gotthard Deuse am Montag noch einmal, dass er bis zum Verlassen des Sportplatzes nach etwa 30 Minuten keine Sprechchöre vernommen hat. „Da habe ich nichts gehört“, so der Vereinsvorstand. Stattdessen hätten die RSL-Fans das Mügelner Publikum als Nazis beschimpft, sagte Deuse zu LVZ-Online.



Jan Greschner, Torwart und Vorstandsmitglied von Mügeln bestätigt die Gesänge der Rechtsradikalen, stellt allerdings klar, dass es keine Fans des Vereins waren. Aufgrund der Vorfälle beim Mügelner Stadtfest 2007 vermutet er, dass sich die Störenfriede gezielt die Partie ausgesucht haben. Damals hatte es zum Stadtfest ausländerfeindliche Übergriffe auf eine Gruppe von Indern gegeben.

Zudem berichtet Greschner von Beschimpfungen seitens der RSL-Spieler. Er sowie einige weitere Mügelner Kicker seien von ihren Gegenspielern in Hin- und Rückspiel über 90 Minuten beschimpft worden. „Die stellen sich immer nur als Opfer dar“, so Greschner: „Es sind aber immer zwei Seiten.“

zum Thema Fotos von den Ereignissen während des Spiels Nach Spielabbruch in Mügeln: Innenminister will Sicherheitsmaßnahmen überdenken Polizei und Sport beraten nach Spielabbruch: Ministerium sieht Zuständigkeit beim Verband
Dass es ein Risikospiel werden würde, sei von Anfang an klar gewesen. „Bei dem Namen Mügeln braucht es keine weiteren Hinweise“, sagte eine Sprecherin des Gastvereins am Montag. Zwar gebe es bei fast jedem Roter-Stern-Gastspiel im Leipziger Umland Sprüche und Kommentare, Mügeln sei aber zahlenmäßig und von der Qualität her ein negativer Höhepunkt gewesen.

Von knapp 100 Rechtsradikalen, viele in einheitlichen schwarzen T-Shirts, berichtet ein Besucher des Spiels. Parolen wie „Hier regiert der nationale Widerstand“ oder „Zick Zack Zeckenpack“ habe es dabei von Anfang an gegeben. Das berüchtigte „U-Bahn-Lied“, welches zum Abbruch in der 80. Minute geführt hatte, sei zu dem Zeitpunkt aber erstmalig gesungen worden.

Bereits vor und während der Partie hatte es Unruhe gegeben. Nach Polizeiangaben hatte vor Spielbeginn ein Leipziger im Einlassbereich einen am Boden liegenden Anhänger des SV Mügeln mehrfach in Richtung Kopf getreten. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Auch die Polizei erntete Kritik. So sorgten die Beamten laut Augenzeugen für Aufregung, als sie etwa 30 Roter-Stern-Anhänger irrtümlich zum Heim-Block geleiteten, statt in den Gästeblock. Auch die Auseinandersetzungen in der ersten Halbzeit führten zu Beschwerden. Ein RSL-Anhänger hatte beobachtet, wie im heimischen Fanblock ein Hitlergruß gezeigt wurde. Nach Polizeiangaben wurden die Beamten, als sie im Gästeblock die Personalien des Augenzeugen aufnehmen wollten, von unbeteiligten Gästefans angegriffen. Das Spiel musste für 25 Minuten wegen Tumulten unterbrochen werden.

„Das war ganz undurchsichtig“, beschreibt ein der Redaktion bekannter RSL-Fan, der anonym bleiben wollte, die Situation. Die Polizei sei mit knapp einem Dutzend Mann in den Fanblock gegangen, es habe so ausgesehen, als ob Fans abgeführt werden sollten. „Dann entstand Tumult“, so der Dresdner, der regelmäßig Spiele von Roter Stern besucht. Wer letztlich angefangen habe, wollte er nicht beurteilen. „Es war aber unverhältnismäßig“, verurteilt er das Vorgehen der Beamten. Laut Roter Stern haben mehrere Zuschauer noch vor Ort Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Ob und wie das Spiel gewertet wird, stand am Montag noch nicht fest. Lutz Mende, Leiter Spielbetrieb im Sächsischen Fußballverband, erwartet das Urteil für den 7. Mai. Wie dieses dann aussehen wird, könne er nicht sagen. Zunächst habe der Verband die Berichte von Schiedsrichter, Staffelleiter und Polizei an das Sportgericht weitergeleitet. In Mügeln ist man sich allerdings sicher. „Wir rechnen mit drei Punkten“, so Greschner.
 
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