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„Journalistik-Standards gesetzt“ - Symposium zur Emeritierung von Uni-Professor Haller
Mario Beck
Leipzig. Viele seiner beruflichen Weggefährten waren gekommen, auch zahlreiche seiner ehemaligen Studenten bevölkerten den Mediencampus in Gohlis, als dort am vergangenen Freitag anlässlich der Emeritierung von Journalistik-Professor Michael Haller ein Symposium über die Bühne ging. „Wie kann gesellschaftliche Kommunikation gelingen“, war die Tagung überschrieben, die vor dem Hintergrund einer heftigen Kontroverse um die Zukunft der Uni-Journalistik abgehalten wurde.
Wie berichtet, hatten die Gremien am Uni-Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft ein Strategiepapier gebilligt, in dem unter anderem fixiert ist, dass die Kapazitäten für die Journalistenausbildung massiv beschnitten werden sollen. Statt bisher 44 Immatrikulationen pro Jahr sind künftig nur noch 20 vorgesehen, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen soll von sechs auf eine sinken und eine der zwei ordentlichen Professuren durch eine Juniorprofessur ersetzt werden. Der Lehrstuhl, den Haller inne hatte, würde damit gestrichen. Journalistenverbände protestierten gegen die Pläne ebenso wie die Mitarbeiter der Uni-Journalistik.
Nach LVZ-Informationen machen mittlerweile auch Alumni mobil. Mehr als 100 Journalistik-Absolventen unterschrieben schon eine entsprechende Protestnote. Am Tag vor dem Symposium war im Wochenblatt Die Zeit unter der Schlagzeile „Die Journalistik siecht“ das drohende Ende der “ältesten deutschen Redakteursausbildung“ thematisiert worden. Haller erneuerte am Rande der Veranstaltung seine Kritik. Die traditionsreiche Uni-Journalistik dürfe keinem „Erosionsprozess“ unterworfen werden, so der 65-Jährige, dessen Wort bei Medienmachern wie -wissenschaftlern Gewicht hat.
Bevor der gebürtige Konstanzer 1993 an die Uni berufen wurde und in der Journalistenausbildung, der Medienethik und Qualitätssicherung nachhaltige Akzente setzte, wirkte er bei der Basler Zeitung und der Zeit. Als prägend bezeichnete er gestern aber die 13 Jahre beim Spiegel, wo er als Reporter und Redakteur agierte: „Wir waren idealistisch aufgeladen, stritten für kulturelle Demokratisierung und gegen verkrustete Strukturen mit der dafür nötigen Respektlosigkeit vor den Mächtigen.“ Mit fundierten Beiträgen Öffentlichkeit herzustellen, darin liege die große publizistische Verantwortung des Berufsstandes. Der Neuaufbau der Uni-Journalistik sei für ihn eine „unglaublich bereichernde Erfahrung“ gewesen. „Es gab ost- und westdeutsche Erinnerungschätze, daraus versuchten wir das Beste zu machen.“
In einer kurzen Laudatio hieß es gestern, Haller habe „weithin anerkannte Journalistik-Standards“ gesetzt und das einschlägige Forschungsterrain „neu vermessen“. Angesichts dessen, was den in Hamburg wohnenden Jazz- und Rotwein-Liebhaber noch umtreibt, kann von Ruhestand keine Rede sein: Mehrere Buchprojekte hat er in petto, und er will dem Qualitätsmanagement bei Tageszeitungen Impulse geben - auch von Leipzig aus, wo er weiter dem Institut für praktische Journalismusforschung vorsteht.
© LVZ-Online, 23.01.2011, 14:16 Uhr