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Leipzig bleibt Sachsens Kriminalitätshochburg – Bewegung auf dem Drogenmarkt
Matthias Roth
Foto: Andreas Döring
Präsentierten Leipzigs Kriminalitätsstatistik: Kriminaldirektor Bernd Buchwald, Kripochefin Sonja Krüßel, Polizeipräsident Horst Wawrzynski, Leiter des Direktionsbüros Uwe Voigt und Polizeisprecherin Uta Barthel (v.l.).
Leipzig. Leipzig bleibt wie schon in den Vorjahren Sachsens Kriminalitätshochburg: Von den rund 290.000 Straftaten vergangenes Jahr im Freistaat, wurden mehr als 60.500 im Bereich der Polizeidirektion Leipzig begangen. Das sind rund 13.000 mehr Delikte als in Dresden. Die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge liegt mit gut 51.500 zwischen den beiden größten Städten in Sachsen.
Hauptproblem in der Messestadt bleibt die Drogenkriminalität. „Im vergangenen Jahr haben wir zwar für Bewegung in der Szene gesorgt“, sagte Leipzigs Polizeipräsident Horst Wawrzynski am Donnerstag. Die Beamten zogen 41 Kilo Heroin und knapp 25 Kilo Marihuana aus dem Verkehr. Für Wawrzynski ist das aber nur ein Zwischenerfolg.
Der Preis für das Rauschgift habe sich dadurch erhöht und viele Konsumenten seien auf das bereits zuvor schon teurere Crystal umgestiegen. „Das Gramm Heroin kostet in Leipzig bis zu 30 Euro“, so der Polizeipräsident. Der Preis für Crystal liege zwischen 60 und 80 Euro.
Szenebeobachter gehen sogar von noch höheren Konditionen aus und nennen Tarife bis zu 50 Euro pro Gramm Heroin. Einsteiger benötigen demnach rund ein Gramm am Tag, später könne der Bedarf bis zu zehn Gramm steigen. Bei Crystal liege der Konsum gegenüber Heroin bei der Hälfte.
Der hohe Verbrauch hänge vor allem mit der schlechten Qualität des in Leipzig angebotenen Stoffs zusammen, heißt es aus Szenekreisen. Viele Konsumenten weichen zum Einkauf deshalb inzwischen auf andere Märkte wie Berlin aus.
Neu sind für die Polizei die Vetriebswege für Crystal. Während das Heroin in der Regel über eine bekannte Route aus den Niederlanden nach Leipzig gelangte, werde die synthetische Droge in kleinen Küchen hergestellt. Seit vergangenem Dezember sammelt eine neu eingerichtete „Operative Gruppe Rauschgift“ deshalb Informationen über die Verteilerszene.
Was bleibt ist das Problem der Beschaffungskriminalität. Die Zahl der Diebstähle ist mit knapp 28.500 im vergangenen Jahr gegenüber 2009 um fast 3000 gestiegen. Raubüberfälle sind dagegen leicht zurückgegangen, um 16 auf 578. Laut Wawrzynski ist das für eine Stadt wie Leipzig ein immer noch hohes Niveau. Und die Statistik für dieses Jahr lässt kaum Raum für Hoffnung. Aktuell liege die Zahl der Raubdelikte bei 161, nach noch nicht einmal drei Monaten.
Die Polizei kämpft dagegen seit Februar mit zivilen Ermittlern an. 18 Fahrzeugteams seien in der Stadt unterwegs, vor allem in der Südvorstadt und die an die City angrenzenden östlichen und westlichen Stadtteile.
Die Erfolgsqoute liege allerdings bei Null, muss der Polizeipräsident eingestehen. „Wir sind immer zu spät dran“, sagt er und nennt Beispiele. In dieser Woche seien die Beamten nur eine Minute nach dem Notruf am Tatort gewesen. Der Täter war da schon über alle Berge. Am Mittwoch habe bei einem Überfall eine Videokamera nicht aufgezeichnet, eine weiteres Gerät im Haus gegenüber sei kaputt gewesen.
Vor allem kleine Geschäfte sind kurz vor Ladenschluss gefährdet, wenn keine Kunden mehr im Raum seien. Diese will die Polizei stärker unter die Lupe nehmen. Wenn das alles nichts nutze, wollen die Beamten noch kreativer werden. Wie im vergangenen Jahr. Da verkleideten sich Polizisten als ältere Frauen und klärten so eine Raubserie auf Seniorinnen auf.
© LVZ-Online, 24.03.2011, 16:04 Uhr