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Medienexperte: Intensivere Debatte über Live-Berichte nötig
Gespräch: Stephanie Höppner, dpa
Dresden/Leipzig. Nach der regen Live-Berichterstattung von der Geiselnahme in Leipzig hält der Medienexperte Peter Stawowy eine intensivere Debatte über die Grenzen schneller Internetmedien für notwendig. „Ich bin auf keinen Fall ein Freund davon, die Berichterstattung einzuschränken, aber man muss sich schon die Frage stellen, was davon Sinn macht“, sagte der Medienjournalist vom Presseclub im Dresden am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Neben Medien hatten am Dienstag auch zahlreiche Twitterer das Geschehen in der Innenstadt beobachtet und Kurznachrichten darüber verbreitet.
Zusätzlich wurde von einem lokalen Fernsehsender ein Livestream installiert, der dem Zuschauer im Internet einen Blick auf die betroffene Modehaus-Filiale bot. „Im Falle eines tödlichen Endes der Geiselnahme hätte der Zuschauer dies auf dem Live-Stream eins zu eins verfolgen können“, sagte Stawowy. Hier wäre ein verantwortungsvollerer Umgang mit dem Medium nötig gewesen. Insgesamt wünscht sich Stawowy eine stärkere Vermittlung von Medienkompetenz in der Ausbildung von Journalisten. „Öffentlichkeit und Medien werden sich dran gewöhnen müssen, dass diese Form von Live-Berichterstattung normal ist“.
Im Vergleich zum Amoklauf in Winnenden vor rund einem Jahr habe jedoch schon ein Lernprozess stattgefunden. „Die Berichterstattung war deutlich vorsichtiger als in Winnenden“, sagte Stawowy. Am Dienstagnachmittag hatte ein 41-jähriger Mann mehrere Kunden und Mitarbeiter über Stunden in einer H & M-Filiale in der Leipziger Innenstadt mit einer geladenen Pistole bedroht und festgehalten. Damit wollte er laut der Staatsanwaltschaft auf einen vermeintlichen Ärztepfusch aufmerksam machen. Verletzt wurde niemand.
© LVZ-Online, 16.06.2010, 17:54 Uhr