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SMS unter jungen Leuten: „Du bist der Nächste“
Kathrin Haase
Groitzsch. Ein Quentchen Zuversicht und Vertrauen in die Polizeiarbeit verbreiteten am Donnerstagabend im Groitzscher Stadtparlament der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Jürgen Georgie, sowie Michael Kabuttke vom Polizeirevier Borna. Offen sprachen sie über den Stand der Ermittlungen und baten zugleich um Verständnis, dass ein solcher Fall nicht in 45 Minuten aufgeklärt werde wie im Fernsehen.
Laut Jürgen Georgie gestalte sich die Tatortarbeit auf dem Landwirtschaftshof in der Langendorfer Straße als „sehr komplex und unübersichtlich.“ In den Hallen sei „sehr viel Material“ vorhanden, deshalb könne er zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sagen, wann die kriminaltechnische Arbeit abgeschlossen sei. „Wir müssen sehr vorsichtig vorgehen, denn die Beweise sollen letztlich vor Gericht Bestand haben.“
In diesem Zusammenhang bezieht die Soko „Schrott“ auch den Mord an dem 27-jährigen Tino L. vom April vergangenen Jahres in ihre Ermittlungen ein. „Wir sehen dort Aspekte, die gemeinsam zu überprüfen sind“, formulierte es Georgie gestern Abend. Während die Polizei 2009 in der Bevölkerung „auf gewisse Reserviertheit gestoßen war“, sehe das heute anders aus. Aktuell seien 40 Bürgerhinweise über das Infotelefon eingegangen, allesamt aus der Kategorie Hörensagen. „Wir werden zwar nicht gerade überschwemmt damit, aber immerhin.“ Zugleich gebe es viele Spekulationen und Gerüchte, eine Art Stille-Post-Kette, die seitens der Polizei aufgelöst werden müsse.
Sorgen bereiten den Leiter der Polizeidirektion Westsachsen vielmehr, dass etliche Menschen in der Stadt seit dem Verbrechen sehr verängstigt sind. Informationen der Soko „Schrott“ zufolge kursieren vor allem in der jungen Generation, die im Alter der Getöteten ist, SMS-Meldungen mit der Botschaft: „Du bist der Nächste.“ „Wer dafür anfällig ist, wird gleich doppelt verunsichert“, sprach Georgie Klartext. „Wir sind natürlich gehalten, dem nachzugehen. Das Schreiben einer solchen SMS ist zwar an sich keine Straftat, aber es liegt jenseits eines schlechten Scherzes. Außerdem müssen wir dafür Ressourcen binden, die wir anderweitig viel besser einsetzen könnten.“
72 Beamte arbeiten gegenwärtig an der Aufklärung des Doppelmordes an den beiden jungen Männern Patrick B. und Denis H. Akribisch prüfen sie auch das Umfeld der Opfer. „Im Moment ist das sehr viel Kleinarbeit“, berichtet der Polizeichef. „Aber wir stellen uns dem Aufwand, ohne auf die Uhr zu schauen.“ Er stellte zudem in Aussicht, dass die Größenordnung an Beamten solange in Groitzsch vor Ort bleibe, „bis der Fall geklärt ist und bis die Stadt wieder sicher ist wie vor der Straftat. Wobei: Eine absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht.“ Im Moment suche die Polizei einen oder mehrere Täter mit einer Schusswaffe. „Wir sind aktuell bestrebt, mit dem Eigentümer des Geländes in der Langendorfer Straße ins Gespräch zu kommen. Dazu ist es bis jetzt aber noch nicht gekommen.“
In der nächsten Woche wird sich Groitzschs Bürgermeister Maik Kunze mit dem Landespolizeipräsidenten Bernd Merbitz in der Schusterstadt treffen. „Er hat jegliche Unterstützung mit Personal zugesichert“, führte Kunze gestern aus. Ansprechen will er dann auch eine mögliche personelle Aufstockung des Groitzscher Polizeipostens.
Der Bürgermeister sprach den Angehörigen der beiden Getöteten gestern beziehungsweise am Mittwoch seine Betroffenheit aus.
© LVZ-Online, 03.09.2010, 10:31 Uhr