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Süßigkeiten-Werbeverbot stößt auf breite Ablehnung

Berlin/Leipzig/Erfurt. Die Forderung von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nach einem Werbeverbot für Süßigkeiten stößt auf breite Ablehnung. "Wir setzen auf Aufklärung", betonte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums in Berlin. Ähnlich fielen die Reaktionen bei den Gesundheitsministern der Länder und der Industrie aus.

Künast hatte in einem Zeitungsinterview zum wiederholten Mal gesetzliche Beschränkungen im Werbefernsehen gefordert. "Lebensmittelwerbung, die ja meist Süßigkeitenwerbung ist, hat im Umfeld von Kindersendungen nichts zu suchen", sagte sie. "Da brauchen wir ein Verbot." Widerspruch kommt dagegen von der Thüringer Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD). "Werbeverbote bringen in der Regel nichts. Wir müssen stattdessen die Aufklärung für eine gesunde Ernährung in Kindergärten und Schulen verbessern", sagte Taubert der Leipziger Volkszeitung. Bei einem Verbot für Süßigkeitenwerbung sei es zudem schwer, Grenzen zu ziehen. "Wer will genau festlegen, was gesundheitsschädlich ist und was nicht? Für mich kommt Gesundheitsaufklärung klar vor Verboten" so Taubert weiter. Wichtig sei bei der Prävention auch die Vorbildfunktion von Eltern und Geschwistern. Untersagt werden sollte dagegen irreführende Werbung, die bei Produkten nur einen Gesundheitseffekt vorgaukelt.

Werbeverbote und Strafsteuern für vermeintlich ungesunde Lebensmittel führen auch nach Ansicht der Liberalen nicht zu einer gesünderen Ernährung. "Wir sind gegen eine politische Steuerung des Konsums und gegen eine staatliche Bevormundung der Verbraucher", sagte Christel Happach-Kasan, ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Stattdessen setze die FDP auf Eigenverantwortung und positive Anreize. Happach-Kasan forderte die Länder auf, die notwendigen finanziellen Mittel für das Schulobstprogramm zur Verfügung zu stellen. Im Kampf gegen die Fettleibigkeit bei Kindern hatten sich die EU-Agrarminister auf ein europaweites Programm zur Abgabe von Obst und Gemüse an Schulkinder geeinigt. Der Bund stellt dafür im laufenden Schuljahr 20 Millionen Euro bereit, die von den Ländern kofinanziert werden müssen.

Auch aus der Industrie kommt Kritik am Vorschlag von Künast. "Werbung und Übergewicht haben keinen ursächlichen Zusammenhang", sagte Torben Erbrath, Sprecher des Bundesverbandes der Süßwarenindustrie. Er machte auf die Selbstverpflichtung der Branche aufmerksam, die im Sommer 2009 übernommen wurde und eine verantwortungsvolle Kommunikation insbesondere gegenüber Kindern regelt.
 
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