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Weiter Eiszeit bei Löw - Bierhoff: Risiko besteht

Warschau. Das Vertrauensverhältnis bleibt schwer gestört, Joachim Löw sieht sich ab sofort nur noch als Leiter des WM-Projekts in Südafrika. Obwohl DFB-Präsident Theo Zwanziger den amtierenden Bundestrainer weiter zu seinem Kandidaten Nummer 1 auch für die Zeit nach dem WM-Turnier erklärte, will Löw von der Fortsetzung seiner Nationalmannschafts-Mission über den Sommer hinaus erst einmal nichts mehr wissen.

„Die WM ist jetzt das Allerwichtigste. Und ich kann damit hervorragend leben“, sagte der 50-jährige Chefcoach am Rande der EM-Qualifikations-Auslosung am Wochenende in Warschau und verkündete trotzig: „Vielleicht wird es Nebengeräusche geben. Aber wir lassen uns jetzt nicht davon beeinflussen, was passiert ist.“   

zum Thema Lösbare Aufgaben für DFB in EM-Qualifikation Joachim Löw im Interview: „Vor den Kopf gestoßen“ Die Gruppen A bis I im Überblick
Der geplatzte Vertragspoker und Vorwürfe haben bei Löw und Manager Oliver Bierhoff vier Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft dennoch tiefe Spuren hinterlassen. „Was mich persönlich irritiert, ist, dass manche Dinge an die Öffentlichkeit gekommen sind, die intern am Tisch besprochen wurden. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen“, sagte der Bundestrainer der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bierhoff wurde von DFB-Oberen wie Franz Beckenbauer einmal mehr als Buhmann dargestellt. „Viele Dinge werden durcheinandergeworfen“, wehrte sich der Manager. Löw sah sich sogar in die Ecke des habgierigen Anführers gedrängt, was den Freiburger schwer verletzte. „Wer uns kennt, der weiß, dass wir keine Macht- oder Geldgier haben, es geht uns um andere Dinge wie die Entwicklung der Mannschaft“, betonte Löw.   

Löws Gegenspieler Zwanziger hatte sich den Bundestrainer vor dem Anflug ins kalte Warschau zur Brust genommen, nachdem er zuvor trotz aller Querelen via „Süddeutsche Zeitung“ mitgeteilt hatte: „Ich will ihn behalten. Wenn wir die WM erfolgreich spielen, werde ich mit Löw sprechen. Und wenn wir sie nicht so erfolgreich spielen, dann auch.

Er wird immer mein erster Ansprechpartner sein.“ Löw allerdings wollte nach den vielen „Irritationen und Interpretationen“ über diese Goldene Brücke nicht gehen. Zwar ist für ihn ein Aus vor der WM undenkbar, aber neue Verhandlungen danach schob er zur Seite: „Das muss man mal sehen, ob wir dann noch gefragt werden und ob wir auch zu Gesprächen bereit sind.“   

Vieles erinnert nach den überraschenden Wendungen der vergangenen vier Tage an die Zeit vor der Weltmeisterschaft 2006. Auch damals herrschte nach der Besetzung des Sportdirektor-Postens mit Matthias Sammer, der 1:4-Niederlage in Italien und einigen Eigenheiten von Bundestrainer Jürgen Klinsmann Eiszeit zwischen der sportlichen Leitung und der DFB-Spitze. Zwar folgte das „Sommermärchen“ mit WM- Platz drei und einem ganzen Volk in Ekstase - Projektleiter Klinsmann aber wollte danach nicht mehr. Sein Nachfolger Löw scheint nach den jüngsten Entwicklungen auf ähnlichem Weg.

Zwar wollten die Hauptdarsteller des DFB-Wintertheaters, Löw und Zwanziger, von einer Gefahr für die WM-Mission noch nichts wissen. Doch unberührt wird die Vorbereitung trotz aller Beteuerungen nicht bleiben. „Ich habe vor dem Präsidium darauf hingewiesen, dass uns dieses Thema bis zur WM und auch beim Turnier begleiten wird. Das ist ein Risiko, das natürlich besteht“, räumte zumindest Bierhoff ein. Der Teammanager, den auch Löw zu seinem Verhandlungsführer gemacht hatte, ist in der DFB-Chefetage besonders in die Kritik geraten.   

„Das ist ganz legitim. Es ist unser Recht, die eine oder andere Forderung zu stellen“, verteidigte Löw die umstrittenen Vorstöße von Bierhoff. Dagegen schimpfte „Kaiser“ Franz Beckenbauer im DSF über die Ansprüche des Managers etwa bei der Bestellung eines möglichen neuen Bundestrainers: „Ja wollen die denn den DFB übernehmen?“ Ex- Nationaltorwart Oliver Kahn sprach in der „Bild am Sonntag“ von „einer Art Amtsmissbrauch“ von Bierhoff.   

Löw allerdings ließ keinen Zweifel, dass er und Bierhoff sich nicht auseinanderdividieren lassen. Zwar räumte der Manager in Warschau ein: „So wie es jetzt gelaufen ist, kann man nicht vom größten Vertrauen sprechen in meine Person. Das merke ich schon. Ich bin es ja aus der Vergangenheit gewohnt, dass man versucht, mich in die Ecke zu drängen.“ Doch für Löw gilt weiter, dass es eine - wenn auch nun weit entfernte - Verlängerung nur im Paket mit dem Manager gibt. „Selbstverständlich. Oliver gehört zu unserem Team“, betonte der Bundestrainer. Auch von anderen Positionen rückte er nicht ab.   

In einem sehr „kurzen“ Gespräch zwischen Zwanziger und Löw ging es vor allem darum, die Debatten um den viel beschriebenen „Handschlag- Vertrag“ vom vergangenen Dezember zu entschärfen. Er habe „auch gespürt, dass meine Stellungnahme vom Freitag bei Dr. Zwanziger große Irritationen ausgelöst hat, weil dadurch in der Öffentlichkeit die Diskussion aufgekommen ist, er habe Unwahrheiten verbreitet oder sei daran beteiligt gewesen. Dies war von mir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt“, erklärte Löw. Es habe wohl unterschiedliche Interpretationen des ersten Vertrags-Gesprächs gegeben - nur eins von vielen Missverständnissen.

 
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