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Auto per Handy vorwärmen: Apps für Standheizungen

Das Smartphone als Fernbedienung: Erste Autostandheizungen lassen sich inzwischen per App einschalten. (Foto: Webasto)   Foto: dpa Das Smartphone als Fernbedienung: Erste Autostandheizungen lassen sich inzwischen per App einschalten. (Foto: Webasto)

Berlin (dpa/tmn) - So gut wie jedes Auto lässt sich nachträglich mit einer Standheizung ausrüsten. Lästiges Eiskratzen und Zähneklappern beim Losfahren sind damit an kalten Tagen passé. Der jüngste Trend: Erste Heizsysteme lassen sich per App bedienen.

Den Wagen im Winter vor der Fahrt zur Arbeit vom Frühstückstisch aus vorwärmen - die Technik macht das längst möglich. Per Funk, Telefonanruf oder SMS lassen sich Standheizungen bequem aus der Ferne in Gang bringen. Und es geht inzwischen noch etwas zeitgemäßer: Erste Heizsysteme können durch Apps fürs Smartphone oder den Tablet-PC aktiviert werden. Der Effekt ist immer der gleiche: Der Automotor wird schon mal warm, von den Scheiben taut das Eis ab und im Innenraum ist es schön kuschelig, wenn die Reise losgeht.

BMW zum Beispiel bietet die App «My BMW Remote» für das iPhone an, mit der das Smartphone unter anderem zur Fernbedienung für optionale Standheizungen in Modellen des Münchner Autobauers wird. Auf dem Markt für Nachrüst-Standheizungen ist das Unternehmen Webasto mit einer App für Apples Betriebssystem iOS und Android-Geräte vertreten. Die App funktioniert allerdings nur in Verbindung mit dem mehrere hundert Euro teuren Steuergerät Thermo Call TC3 von Webasto. Der Mitbewerber Eberspächer arbeitet derzeit an einer App-Steuerung für seine Pkw-Standheizsysteme. Die Markteinführung ist zeitnah geplant, sagt Firmensprecherin Dunja Geisler. «Für Forstmaschinen in Schweden bieten wir bereits eine App für die Standheizung an.»

An frostigen Wintertagen wird sich schon so mancher Autofahrer eine Standheizung gewünscht haben. Nachrüstgeräte gebe es je nach Fahrzeugmodell inklusive Einbau ab etwa 1000 Euro, erklärt Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC. Die Montage sollte eine Fachwerkstatt übernehmen, empfiehlt er. Wer die Sache selbst in die Hand nimmt, kann neben Einbauproblemen auch Schwierigkeiten bei einer möglichen Reklamation bekommen. Dirk Vincken vom Automobilclub von Deutschland (AvD) ergänzt: «Wer einen Van mit Benzin-Antrieb fährt, der muss etwa 1500 Euro für eine Standheizung zahlen.» Für die Funksteuerung per Handy oder Fernbedienung kämen dann schnell noch mal ein paar hundert Euro hinzu.

Kunden haben die Wahl zwischen strom- und kraftstoffbetriebenen Standheizungen. Für die Nachrüstung von Pkw eher die Ausnahme sind die elektrischen Systeme. Sie werden per Kabel über eine Haushaltssteckdose mit Energie versorgt. Wer einen Stromanschluss am Fahrzeugstellplatz zur Verfügung habe, könnte eine solche Lösung in Erwägung ziehen, sagt Vincken. Zumal eine elektrische Standheizung in der Regel die preisgünstigere Variante sei.

Mehr Flexibilität und Komfort bieten kraftstoffbetriebene Heizsysteme. Sie müssen gut 20 Minuten vor Fahrtbeginn aktiviert werden. Den benötigten Sprit beziehen sie direkt aus dem Autotank. Ähnlich wie ein Tauchsieder wärmen diese Geräte den Wasserkreislauf des Motors auf. So lässt sich bei Kälte der Fahrzeuginnenraum vorheizen - und gleichzeitig der Motorblock.

Eine Standheizung verbraucht laut Vincken pro Stunde zwischen 0,3 und 0,5 Liter Kraftstoff. «Dieser Mehrverbrauch wird meist wieder ausgeglichen, weil der vorgewärmte Motor schneller auf Betriebstemperatur kommt und daher in der Warmlaufphase weniger Sprit benötigt», erklärt Thiemel. Auch Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS geht von einem Nullsummenspiel zwischen Verbrauch und Spritersparnis aus.

Diesel-Fahrzeuge haben einen großen Vorteil: Oft sind sie bereits mit einem Zuheizer ausgestattet. Denn Dieselmotoren geben zu wenig Wärme ab, um damit das Auto an kalten Tagen während der Fahrt zu heizen, erklärte Vincken. Bei einigen Modellen weist ein Aufkleber, der zum Beispiel in der Fahrertür angebracht sein kann, darauf hin, dass ein Zuheizer montiert ist. Dieser lässt sich bei abgeschaltetem Motor auch als Standheizung nutzen und Vincken zufolge mit einem Fernbedienungsset, das ein Empfangsmodul und einen Sender enthält, ab etwa 300 Euro nachrüsten.

Probleme mit nachträglich eingebauten Standheizungen gebe es nur sehr selten, sagt Marmit. Wichtig sei, dass Fachbetriebe den Einbau übernehmen - «nur dann haben Sie Garantie darauf». Die Hersteller sehen für jedes Modell eigene Einbauplätze vor. Ist es im Motorraum zu eng, wird die Standheizung an der Fahrzeugunterseite angebracht.

Wenn Batterie oder Tank eines Fahrzeugs fast leer sind, kann es passieren, dass eine kraftstoffbetriebene Standheizung nicht anläuft, nennt AvD-Experte Vincken mögliche Fehlerursachen. Um die Startbatterie des Wagens zu schonen, sollte die Fahrt mindestens so lange dauern, wie die Aufwärmphase zuvor. Denn bei jedem Start von Motor und Standheizung muss die Batterie Energie liefern und anschließend wieder aufgeladen werden. Das funktioniert nur bei entsprechend langer Fahrt.

 
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