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Ende im Gelände - Autos mit Offroad-Optik sind oft Blender

Renault bot den Scénic Conquest ab 2007 nur knapp zwei Jahre lang an. Der Modellableger mit mehr Bodenfreiheit und rustikaleren Planken fand nicht viele Käufer. Foto: Renault   Foto: dpa Renault bot den Scénic Conquest ab 2007 nur knapp zwei Jahre lang an. Der Modellableger mit mehr Bodenfreiheit und rustikaleren Planken fand nicht viele Käufer. Foto: Renault

Berlin/Limburg (dpa/tmn) - Als Geländewagen werden viele Autos bezeichnet. Doch wenn es durch Matsch und Geröll geht, versagen die meisten schnell. Für echte Offroad-Einsätze taugen nur wenige Autos. Am deutlichsten wird das an den Cross-Versionen.

«Es ist vor allem die Optik», sagt Michael Arand. Der Pressesprecher bei Volkswagen macht keinen Hehl daraus, dass die Cross-Varianten, die der Wolfsburger Hersteller von den Modellen Golf Plus, Touran, Polo und bald wahrscheinlich auch Up anbietet, nicht wirklich fürs Gelände gemacht sind. «Es wird niemand versuchen, mit einem CrossPolo die Dakar zu gewinnen», sagt er. Es gehe neben der Ästhetik eher darum, dass Fahrer der Cross-Modelle «auf dem Feldweg ein besseres Gewissen» haben. Denn immerhin ist deren Bodenfreiheit um 15 Millimeter vergrößert.

Weitere Veränderungen betreffen in erster Linie Geschmack und Annehmlichkeiten. So haben die Cross-Autos aus Wolfsburg robustere, unlackierte Stoßfänger, Radhausverbreiterungen, eine Dachreling, Zusatzausstattung im Innenraum und einen angedeuteten Unterfahrschutz vorne und hinten. Kunden zahlen dafür zum Beispiel beim CrossGolf gegenüber einem Golf Plus mit gleicher Motorisierung 2300 Euro mehr.

Für Nick Margetts haben die Pseudo-Geländewagen eine wichtige Funktion für Hersteller und Kunden. «Man hebt sich vom 08/15-Auto ab», sagt der Geschäftsführer der Marktforschungsfirma Jato Dynamics. «Die Hersteller suggerieren mit solchen Autos einen gewissen Lebensstil - nach dem Motto: Du bist so frei, du bist so ausdrucksvoll.» Vielen reiche die rustikale Optik völlig aus, ein Allradantrieb sei oft gar nicht erwünscht, weil teuer in der Anschaffung und kaum von praktischem Nutzen im Alltag.

Renault versuchte sich 2007 mit einer höhergelegten Variante des Scénic, die den Beinamen Conquest trug. Obwohl nur frontgetrieben, sei der Wagen «für Exkursionen auf Feldwegen und Schotterpisten gut gerüstet», hieß es damals in einer Pressemitteilung. Allerdings blieb der Scénic Conquest nur knapp zwei Jahre lang im Programm. Das rumänische Renault-Tochterunternehmen Dacia knüpfte 2009 mit dem Sandero in der Version Stepway nahtlos an. Der Startpreis für den rustikal beplankten Sandero liegt mit 9990 Euro exakt 100 Euro über dem identisch motorisierten Standardmodell mit 1,6-Liter-Benziner.

Wenn es um die Geländetauglichkeit geht, dürfen Kunden von dem Ende März eingeführten Passat Alltrack schon etwas mehr erwarten als von manch anderem Cross-Modell, obwohl auch dieser Wagen weit von den Offroad-Fähigkeiten eines Land Rover Defender, Toyota Land Cruiser oder Mitsubishi Pajero entfernt ist. Für mindestens 33 450 Euro gibt es den Passat mit drei Zentimetern mehr Bodenfreiheit, Unterfahrschutz an Front und Heck sowie ein um Offroad-Funktionen wie Bergabfahrhilfe erweitertes Stabilitätsprogramm. Für den Basisbenziner ist allerdings kein Allradantrieb erhältlich.

Der ist beim ebenfalls erst kürzlich gestartete Audi A6 Allroad serienmäßig an Bord. «Wenn Audi normale Pkw-Modelle aufrüstet, steckt meist mehr dahinter», sagt Margetts. So hat der Geländekombi der Bayern neben der Bergabfahrhilfe einen stabilen Unterbodenschutz aus Edelstahl sowie sechs Zentimeter mehr Bodenfreiheit. Gerade diese ist laut Margetts eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz abseits der Straße. Allerdings kostet der Wagen mit einem Basispreis von 54 600 Euro deutlich mehr als der Gelände-Passat.

Auch SUVs sind nicht unbedingt für Fahrten durch schweres Gelände geeignet. Zwar kommen die hochbeinigen Autos echten Offroadern am nächsten und einige Modelle wie der BMW X5 oder Mercedes ML machen im Gelände laut Margetts tatsächlich eine gute Figur. Doch eigentlich geht es darum, dem Fahrer «durch möglichst viel Auto um ihn herum» ein Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr zu vermitteln, sagt er. Der Offroad-Einsatz sei hierzulande ohnehin ein seltenes Szenario: «Der steht vielleicht mal an, wenn der Vater mit der Tochter den Pferdeanhänger zur Koppel zieht.»

Deshalb verwundert es nicht, dass der Allradantrieb für viele SUVs optional angeboten wird. «Früh damit begonnen haben die Koreaner», sagt Margetts. So gibt es etwa den Hyundai ix35 oder die Kia-Modelle Sportage und Sorento wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. Und auch beim VW Tiguan oder dem für Mai angekündigten Citroën C4 Aircross als kleine Alternative zum C-Crosser kann der Kunde frei entscheiden. Fronttriebler sind laut Margetts preisgünstiger und sparsamer im Verbrauch - das passe in die Zeit.

Selbst Land Rover folgte diesem Trend, obwohl es noch nicht allzu lange her ist, dass die britische Marke auf Allrad schwor: Der Range Rover Evoque wird in der ab 33 100 Euro erhältlichen Basisversion als Fronttriebler ausgeliefert, laut dem Hersteller als bisher kleinster und sparsamster Range Rover. Er ist eben mehr Lifestyle-Auto als Geländewagen, das es sogar als Coupé zu kaufen gibt. Der Verzicht auf zwei Türen und drei Zentimeter Kopffreiheit im Fond kostet 1000 Euro extra. Der nächste Schritt könnte ein Evoque Cabrio sein - eine Studie dafür hat Land Rover im März auf dem Genfer Autosalon gezeigt.

 
 
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