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Vorsicht Gutachten! Autobewertungen vergleichen

Wer den Wert seines Autos vor dem Verkauf nur einmal schätzen lässt, schöpft womöglich nicht alle finanziellen Möglichkeiten aus. (Foto: Markus Scholz)   Foto: dpa Wer den Wert seines Autos vor dem Verkauf nur einmal schätzen lässt, schöpft womöglich nicht alle finanziellen Möglichkeiten aus. (Foto: Markus Scholz)

Stuttgart/Essen (dpa/tmn) - Autohändler nennen oft überraschend niedrige Ankaufpreise für Gebrauchtwagen. Zur Wertermittlung bedienen sie sich meist den Diensten von externen Sachverständigen. Doch der Eindruck von Unabhängigkeit bewahrheitet sich nicht immer.

Soll ein Gebrauchtwagen verkauft werden, ist der Besitzer oft überrascht, wie wenig er für sein Auto noch bekommen kann. Selbst bei Inzahlungnahme für eine Neuanschaffung nennen Händler manchmal niedrige Ankaufpreise, die manchen Kunden schockieren. Doch darf man den zugrundeliegenden Gebrauchtwagenbewertungen trauen? Ja, könnte man meinen, vor allem, wenn Sachverständigenorganisationen wie TÜV oder Dekra die Bewertung für den Händler übernehmen. Doch Vorsicht, denn der realistisch zu erzielende Preis hängt von vielen Begleitumständen ab.

Die Wahrheit ist bitter: Der Wertverlust ist vor allem in den ersten Jahren immens. Das wissen Experten wie Axel Bischopink, Leiter der Gebrauchtwagenbewertung beim TÜV Süd. Selbst wenn ein halbes Jahr altes Fahrzeug mit nur noch der Hälfte des Neupreises bewertet wird, könne dies im Extremfall ein realistischer Händlereinkaufswert sein: «Das ist nicht abwegig.»

Wer die Kalkulationen der Händler verstehen möchte, benötigt dazu eine Erklärung: «Es kann zum Beispiel sein, dass ein anzukaufendes Auto aus privater Hand, das nicht älter als ein Jahr ist, auf dem Händlerhof in Konkurrenz zu ausrangierten Firmen- oder Dienstwagen tritt, die nach einem halben Jahr schon 30 Prozent unter Neupreis gehandelt werden», erklärt der TÜV-Mitarbeiter.

Auch weil Händler eine Handelsspanne von üblicherweise 15 bis 17 Prozent einplanten, sinke der Einkaufspreis. Sie kann nach Aussage von Thomas Firmery, Bereichsleiter Sachverständigenwesen bei der Organisation KÜS, manchmal sogar bei bis zu 30 Prozent liegen.

Üblicherweise verfahre der Händler so: «Er verschafft sich zunächst einen Überblick über die gängigen Marktpreise vergleichbarer Fahrzeuge», sagt der TÜV-Experte. Das mache er zum Teil mit eigenen Recherchen in Internet-Verkaufsportalen. Zudem orientiere er sich an den Datenbanken der Deutschen Automobil-Treuhand (DAT) und des Marktbeobachters Eurotax-Schwacke. Beide Unternehmen sammeln Daten zu tausenden von Fahrzeugen und kalkulieren deren Restwerte.

Jedes Auto wird beim Händler dann je nach Zustand oder Reparaturbedarf individuell bewertet. Gängig ist, dass sich vor allem die Vertragshändler der Autohersteller Sachverständige von Prüforganisationen ins Haus holen. «Sie haben dort einen festen Arbeitsplatz, um diese Bewertungen und Gutachten für den Einzelfall zu übernehmen», sagt DAT-Pressesprecher Siegfried Trede.

Objektive Preise kommen bei der Begutachtung nicht heraus: «Fragen Sie fünf verschiedene Gutachter, und sie bekommen fünf verschiedene Preise», bringt es Firmery auf den Punkt. Die Sachverständigen agierten im «freiwirtschaftlichen Bereich», deshalb fühlten sie sich als Dienstleister eines Autohändlers diesem verpflichtet, um Folgeaufträge zu sichern. «Man spricht vom Sachverständigenermessen. Der eine zieht drei Prozent für ein schlecht gepflegtes Auto ab, der andere ein Prozent.» Jedoch dürften die Gutachter diesen Spielraum nicht überziehen, ansonsten riskierten sie ihre Glaubwürdigkeit.

Deshalb müssten die Sachverständigen ihre Einschätzung auch immer belegen, also erklären können, wie sie zu ihrem Preis kommen. Zum Beispiel können sie die Jahreszeit für eine spürbare Wertminderung nennen. Zum Beispiel kaufen Händler im Winter ein Cabrio zu niedrigeren Preisen an, als zur Saison, wenn es bis zum Verkauf nur vergleichsweise kurz einen Stellplatz auf dem Hof blockiert, erläutert TÜV-Experte Bischopink. Und es gibt regionale Unterschiede: «In gebirgigen Regionen verkauft sich ein Allradfahrzeug besser als im Flachland», stellt DAT-Sprecher Trede fest.

Am Ende bestimmt also der Autoverkäufer, was unter dem Strich als Hereinnahmepreis genannt wird. Letztlich spielt es bei der Preisbestimmung neben Typ, Ausführung, Alter, Zustand und Laufleistung des Autos auch eine Rolle, wann der letzte Service durchgeführt wurde, wie abgefahren die Reifen sind oder welche Extras an Bord sind und welche Farbe ein Wagen hat.

Nicht selten hängt der Ankaufpreis auch von der Höhe einer Prämie ab, die der Händler beim Verkauf eines Neuwagens kassieren kann. Man sollte deshalb immer verschiedene Angebote einholen und vergleichen.

 
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