Laußig. Die Wogen schlagen hoch, die Eltern sind erzürnt. Vor genau einem Jahr beschloss der Gemeinderat in Laußig, dass die Schule in dem 1160-Seelen-Dorf perspektivisch geschlossen werden soll. Das wollen die Eltern nicht hinnehmen, fordern nunmehr die Rücknahme des Beschlusses. Auf der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ging es hoch her.
Etwa 20 Elternvertreter hatten sich eingefunden, obwohl die Grundschule gar kein Punkt auf der Tagesordnung war. Zur Seite stand ihnen der SPD-Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses Heiko Wittig. Und der brachte auf den Punkt, was vielen Eltern auf den Nägeln brennt: „Ich kann den Ratsbeschluss nicht nachvollziehen. Die Schülerzahlen im Schulzweckverband Mulde-Ost geben her, dass immer mindestens 45 Schüler zusammen kommen." Laußig ist sogar jene, die in den nächsten Jahren stets die Mindestzahl an Erstklässlern erreicht, während Authausen in diesem Jahr erneut wackelt; dort gibt es momentan zwölf Anmeldungen.
Tatsächlich muss jede Schule mindestens 15 Schulanfänger aufweisen, damit sie eine erste Klasse aufmachen kann. Nimmt man die drei Grundschulen Laußig, Authausen und Doberschütz zusammen, liegen die Zahlen bis 2015 stets bei über 50 Kindern pro neuem Schuljahr. Bedeutet aber, dass es rein rechnerisch mal an einer Schule über 15 und an einer anderen unter 15 Kinder sein könnten. Aber da es den Schulzweckverband gibt, könnte der dafür sorgen, dass jede der drei Schulen am Ende ausreichend Schüler hat. Wittig sieht den Verband in der Pflicht, zu handeln. Das heißt aber wiederum, dass beispielsweise Laußiger Eltern bereit sein müssten, ihre Kinder auch in Authausen einzuschulen oder, dass Eltern der Gemeinde Doberschütz ihre Kinder nach Laußig schicken.
„Die Frage ist doch, wie wir es schaffen, an jedem Standort 15 Kinder zu haben", sagte Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). Er musste sich von den Eltern derbe Kritik gefallen lassen. Sie fühlen sich übergangen, seit einem Jahr finden keine Gespräche statt, die Verunsicherung ist groß, ob es überhaupt Sinn macht, Kinder in Laußig anzumelden, so der Tenor. „Melden sie ihre Kinder hier an und nicht in Bad Düben oder Eilenburg", sagte Schneider und erklärte weiter, dass der Beschluss gegen Laußig damals notwendig gewesen sei, „um wenigstens eine Schule zu retten". Damit habe sich die Gemeinde Luft verschafft, um nach einer Lösung für den Laußiger Standort zu suchen. „Wir müssen die Kraft haben, als Region zusammen zu stehen."
Wittig schlug derweil ein Modell vor, wonach es künftig im Schulzweckverband nur noch eine Grundschule (Laußig) geben könnte mit zwei Außenstellen (Authausen, Doberschütz). Dann wäre egal, wo wie viele Kinder lernen. Aber ob die Variante genehmigungsfähig ist, ist unklar.
Wichtige Fragen und Antworten zur Grundschulproblematik und Meinungen von Gemeinderäten und Eltern lesen Sie in der LVZ Delitzsch-Eilenburg am Donnerstag.