Bad Düben
Feuerwehr: Wehrleiter suspendiert, Stellvertreter legt Amt nieder, FDP übt Kritik an Bürgermeisterin
ka/nf
Bad Düben. Mit der Entscheidung, dass das Tanklöschfahrzeug vom Standort Bad Düben nach Tiefensee versetzt wird, hat das Landratsamt Nordsachsen in der vergangenen Woche einen Schlussstrich unter einen über Wochen währenden Streit ziehen wollen. Doch hinter den Kulissen brodelt es weiter.
Wie jetzt bekannt wurde, hat Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) Stadtteilwehrleiter Sven Hindemitt vom Dienst suspendiert. Der Feuerwehrmann musste alle Schlüssel abgeben, auch den für sein Büro im Depot. Ein Grund dafür sei, so Hindemitt auf Anfrage dieser Zeitung, dass er zu privaten Zwecken Dienstfahrzeuge der Stadt genutzt habe.
Wie berichtet, waren unmittelbar nach Abzug des Tankers 18 Kameraden mit fünf Einsatzfahrzeugen vors Rathaus gezogen, um einen Protestbrief zu übergeben. Statt Hindemitt sollte dessen Vize Christian Noack die Amtsgeschäfte führen, doch der legte bereits vorige Woche seinen Stellvertreter-Posten nieder. Er könne dies mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, teilte Noack am Donnerstag mit. Gegen beide laufen indes Anhörungsverfahren, weil sie seit ihrem Amtsantritt versäumt hätten, ihre Wehrleiter-Scheine zu machen. Bis Ende September können sie sich dazu äußern.
Feuer bekommt Dübens Stadt-Chefin derweil von der Kurstadt-FDP. „Die vorgebrachten Argumente mit dem Ziel der Amtsenthebung lassen jegliche Souveränität vermissen", schießt Stadtrat Eckehard Tulaszewski gegen seine Amts-Nachfolgerin. „Hindemitt gehört seit 25 Jahren der Berufsfeuerwehr an und genießt das volle Vertrauen seiner Kameraden." Die Feuerwehr gelte zudem seit Jahren als Aushängeschild, verfüge sie doch über eine Anzahl modernster Einsatzfahrzeuge, die in einem maßgeschneiderten Gerätehaus untergebracht seien. Um diesen hohen Standard hätten sich Wehrleitung, Stadtverwaltung und Landratsamt über viele Jahre gemeinsam bemüht. Seitens der Kameradschaft sei, so Tulaszewski, eine prompte Reaktion erfolgt: „Sollte die Bürgermeisterin an der von ihr geplanten Absetzung von Kamerad Hindemitt festhalten, tritt eine Anzahl von Kameraden aus der Feuerwehr aus." Dieses Schreiben trägt 13 Unterschriften. „Spätestens an dieser Stelle sollte die Bürgermeisterin mit dem lockeren Schwingen ihrer Paragraphenkeule einen Augenblick innehalten, um über dieses unmissverständliche Signal einmal in Ruhe nachzudenken", mahnt der Alt-Bürgermeister und regt an: „Vielleicht könnte eine Beratung mit dem Stadtrat hilfreich sein, bisher hat Frau Münster alle Personalentscheidungen, welche die Feuerwehr betrafen, im Alleingang getroffen." Offenbar sei Münster die Führung der Feuerwehr völlig aus den Händen geglitten. „Diese gewinnt man nicht durch konfrontative Personalentscheidungen, sondern nur in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Stadtrat zurück, der den Kameraden jederzeit die Möglichkeit der Anhörung und des Rederechts einräumen wird."
Dazu könnte es Donnerstagabend kommen, wenn das Gremium ab 19 Uhr zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammentrifft. Pressesprecher Tobias Volkmann und Zugführer Ralf Reinhold werden die Feuerwehr vertreten, Hindemitt kann aus dienstlichen Gründe nicht teilnehmen. Für den Fall, dass sich der Streit zwischen Stadt und Feuerwehr weiter verschärft, hat die FDP angekündigt, für November eine Sonderstadtratssitzung zu beantragen.
© LVZ-Online, 20.09.2012, 08:37 Uhr