Bad Düben. Der geplanten B 6 neu rechnet Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen), stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag, keine Chance ein, dass sie jemals realisiert wird.
„Die Straße steht im weiteren Bedarf im Bundesverkehrswegeplan und ist zudem mit erhöhtem ökologischem Risiko ausgewiesen. Selbst die Hälfte der Maßnahmen, die im vordringlichen Bedarf stehen, werden nicht realisiert", sagte der Dresdner. Seiner Einschätzung nach werde der Bund die Fernstraße nur noch bis an die A 9 bei Bitterfeld-Wolfen bauen, dann sei aus Kostengründen Schluss. Eine B 6 neu so nah an Bad Düben, wo nur 20 Kilometer Luftlinie eine B 87 neu bis Torgau entstehen soll, hält Kühn zudem für „volkswirtschaftlichen Unfug". „Der Trend wird künftig von Ost nach West sein. Es wird nicht mehr um den Neubau von Straßen gehen, sondern um die Instandsetzung. Und da haben die alten Bundesländer Bedarf."
Der Grünen-Politiker besuchte gestern die Stadt Bad Düben, hatte ein Gespräch mit Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) und Naturparkleiter Thomas Klepel. „Die Stadt braucht ein völlig neues Verkehrskonzept, eins, das Verkehrsprognosen bis 2025 berücksichtigt und nicht nur bis 2015. Außerdem sollte man das Thema Zuganbindung sowohl im Personen als auch im Güterverkehr berücksichtigen", erklärte er. Die Frage sei, was Bad Düben voranbringt? „Die regionale Wertschöpfung liegt eindeutig im Kur- und Erholungsbereich." Grundlagen seien der Naturpark Dübener Heide und die Auenlandschaft der Mulde, die Potenzial böten. „Gewerbeansiedlungen kommen nicht, wenn man eine Wiese hat, Lampen baut und eine Fernstraße vorbei führt." Den Kurstädtern rät er, sich „nicht länger an die B 6 neu zu klammern".
Bad Dübens Stadträte werden heute Abend zur Verkehrsproblematik öffentlich beraten. Die Sitzung mit Einwohnerfragestunde beginnt um 19 Uhr im Rathaussaal. Die B 6 neu hatte zuletzt heftiges Pro und Contra in der Stadt ausgelöst.