Bad Düben
Muldegeister sorgen für Konfettiabreibung
Steffen Brost
Foto: Steffen Brost
Hunderte Schaulustige bei 20. Presseler Tulpensonntagumzug
Pressel. Jubiläum im
Heidedorf. Zum 20. Mal startete am Vortag von Rosenmontag der traditionelle
Tulpensonntagsumzug durch Pressel. Als Mann der ersten Stunde war auch
diesmal Chronist Reinhard Flehmig mit Fotoapparat und Videokamera mittendrin im
Geschehen. "1991 haben wir als Presseler Karnevalsverein zum ersten Mal in
Eilenburg beim Rosenmontagsumzug teilgenommen.
Als wir von Eilenburg
zurückgekommen sind, sind wir mit unseren Wagen noch eine Runde durch den Ort.
Daraus hat sich dann ein paar Jahre später der Tulpensonntagumzug entwickelt.
Deswegen Sonntags, weil wir immer einen Tag vor Rosenmontag mit Narren,
Tanzgruppen und befreundeten Vereinen durchs Dorf ziehen", erzählte
Flehmig. Auch zur
Jubiläumsausgabe konnten die Presseler Narren haufenweise
Vereine und Gruppen begrüßen, die sich bei kühlem Westwind am Sportplatz zum
Abmarsch durch den Ort trafen. "Als Karnevalsvereine sind diesmal
Abordnungen aus Eilenburg, Söllichau und Weidenhain dabei. Außerdem die
Landfrauen aus Kossa, die Muldegeister aus Gruna, Kutscher und Kremser aus dem
Ort sowie weitere befreundete Vereine", zählte der Chronist akribisch auf.
Bestens gelaunt war auch der Präsident des Presseler Karnevalsverein Christian
Ott, der noch in der Nacht zuvor bei der letzten großen Gala im Landgasthof auf
der Bühne stand. "Alles läuft super.
Ein bisschen kalt zwar, aber dafür
können wir uns mit Glühwein aufwärmen", freute sich der Obernarr.
Zahlreiche buntgeschmückte Wagen standen auch diesmal am Start. Die Narren des
Eilenburger Carnevalclubs hatten eine Zeitmaschine mitgebracht. "Damit
können wir in die Vergangenheit und die Zukunft reisen, falls in diesen Jahr
die Welt untergeht. Nach Pressel kommen wir jedesmal sehr gern, weil das unsere
Freunde sind. Deswegen sind wir heute hier auch mit rund 80 Leuten am
Start", erklärte Mathias Gürke. Säckeweise hatten alle Vereine Konfetti
auf ihren Wagen gebunkert, das per Hand oder Kanone unters närrische Volk
geblasen werden sollte. Besondere Auflagen hatten dabei die Muldegeister aus Gruna
zu erfüllen. "Die haben es im vergangenen Jahr etwas zu gut mit den
Papierschnipseln gemeint und das halbe Dorf damit zugeschüttet. Deswegen hat
unser Bürgermeister jeden angeschrieben und ihm gebeten, dass jeder seinen Müll
danach abtransportiert", erzählte Flehmig. Doch für solche Aufforderungen
haben die Muldegeister nur ein müdes Lächeln übrig. "Wir sind dafür da um
Unfug zu treiben und Dreck zu machen.
Und maßregeln lassen wir uns sowieso
nichts. Also weg mit dem Konfetti ins Zuschauervolk", grinste Vereinschef
Frank Schröder und sorgte für so manches Konfettibad bei den Zuschauern.
Angeführt von der Polizei und Feuerwehr bahnte sich der rund ein kilometerlange
und bunte Tross konfetti- und kamellewerfend im Schritttempo den Weg durch den
Ort. Zuschauer hatte Schirme aufgespannt, um die süßen Wurfgeschosse zu fangen.
Auch die achtjährige Jule hielt den Schirm verkehrtherum in Richtung
Faschingswagen. "Damit kann ich jede Menge Bonbons und Schokolade
erhaschen", hatte die Grundschülerin ihre eigene Methode.
Unter den
Zuschauern war auch Siegfried Törl. Mit der Kamera im Anschlag hielt er die
schönsten Momente fest. Vor allem seine französischen Freunde aus der
Partnergemeinde Villosanges. "Die sind extra aus Frankreich gekommen, um
den Karneval live zu erleben", freute sich das ehemalige
Gemeindeoberhaupt. Ihre Feuertaufe bestand auch Tanzmariechen Vanessa Völz, die
mit anderen Gardemädchen des PKV über die Straßen tanzte. "Ich friere
nicht. Bin ja dick angezogen. Außerdem bewege ich mich. Das hält warm",
sagte die 13-Jährige. Als Generalprobe bezeichneten die Söllichauer Narren den
Umzug. "Wir feiern nächstes Jahr 40 Jahre Karneval. Und da gibt es auch
einen großen Umzug. Hier können wir schon mal nach ein paar Ideen suchen und
Anregungen mit nach Sachsen-Anhalt nehmen", so Hartmut Mühlbach.
© LVZ-Online, 19.02.2012, 18:06 Uhr