Borna. Kaum eine andere öffentliche Institution oder ein anderes Unternehmen kann auf eine vergleichbar lange Geschichte zurückblicken wie die Knappschaft. Es handelt sich um die älteste Sozialversicherung der Welt. Darum geht es in einer Ausstellung, die am Montag, 16 Uhr, im Museum eröffnet wird und die bis zum 3. Juni zu sehen ist.
Die Schau, eine Wanderausstellung, stellt die Entstehungsgeschichte der Knappschaft als einen der Grundsteine des heutigen Sozialstaates in den Mittelpunkt. Die Knappschaft geht auf die Gründung der Bruderschaft von Bergleuten am Rammelsberg/Goslar zurück. Die speziellen Gefahren im Bergbau und der Wunsch nach einer sozialen Absicherung bildeten die Grundvoraussetzungen ihrer Entstehung, erläutert Museumsmitarbeiterin Marie Breinl.
Dass die Ausstellung in Borna Station macht, liegt angesichts der Bergbautraditionen der Stadt auf der Hand. Deshalb wird das Thema auch im Zusammenhang mit der Geschichte des Bornaer Braunkohlenreviers dargestellt, die Teil der Dauerausstellung des Museums ist. Die Erschließung des Reviers hatte im Zuge der Industrialisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 begonnen. Für den Braunkohlenabbau unter Tage wurden zunehmend Fach- und Arbeitskräfte von außerhalb dringend benötigt und deshalb angeworben. Um die Arbeiten trotz der Gefahren, die der Bergbau zwangsläufig für Leib und Leben mit sich brachte, attraktiv zu gestalten, war neben dem Verdienst die soziale Absicherung von grundlegender Bedeutung für die Arbeit in der Kohle, wie Expertin Beindl erläutert. Die Verbindung zur Knappschaft sei deshalb auch in diesem Zusammenhang zu sehen.
Die Knappschaft konnte deshalb im letzten Jahr nicht ihr 750-jähriges Bestehen feiern. In Sachsen, wo es bis zum Kriegsende eine mehr als 600-jährige Tradition der Knappschaft gab, konnte auch an die Wiedergründung der Bergleute-Versicherung vor 20 Jahren erinnert werden.
Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung am Montag, 16 Uhr, gibt es einen korrespondierenden Vortrag am Teichgymnasium. Dort spricht Lothar Eißmann 18 Uhr über Kurt Pietzsch, den Vater der sächsischen Geologie.