Naunhof. Zur Sitzung des Kreistages des Landkreises Leipzig verwies Landrat Gerhard einige Ruhestörer und einen NPD-Kreisrat des Saales. Die Verwaltungsspitze rief die Polizei zu Hilfe.
Landrat Gerhard Gey (CDU) musste NPD-Kreisrat Gerd Fritzsche zweimal scharf ermahnen. Der Wortführer der rechtsextremen Partei im Kreistag ging in seiner Rede zum Haushalt des Landkreises Leipzig nicht nur einmal unter die politische Gürtellinie. Noch während oder kurz nach der Rede von Fritzsche in der Naunhofer Parthelandhalle kam es plötzlich auf den hintersten Zuschauerplätzen zu einer lautstarken Rangelei zwischen rechts- und linksgerichteten Jugendlichen. Wie es später hieß, soll ein NPD-Anhänger eine junge Frau aus dem linken Lager unflätig angegangen sein. Die Situation drohte aus dem Ruder zu geraten. Landrat Gey sah sich gezwungen einzuschreiten und machte von seinem Hausrecht Gebrauch. Er verwies einige Störer des Saales. Und er unterbrach die Sitzung.
Die rechten Ruhestörer wollten sich das offenbar nicht gefallen lassen, protestieren beim Landrat gegen den Verweis. Hier mischte sich plötzlich auch NPD-Kreisrat Sven Tautermann ein und rastete völlig aus. Für alle hörbar schrie er durch den Saal. Wie Gey später gegenüber der LVZ erklärte, hätte Tautermann auch Drohungen ausgestoßen. Der Landrat griff erneut durch und verwies auch Tautermann des Saales. Dessen Verhalten sei eines Kreisrates nicht würdig, sagte er später. Demonstrativ nahmen auch die anderen drei NPD-Kreisräte ihre Jacken und verließen die Halle.
Die Verwaltungsspitze rief die Polizei zu Hilfe: Mehrere Beamte führten die jugendlichen Ruhestörer aus der Halle – unter Beifall von den Zuschauerrängen. Dass die Polizisten innerhalb von Minuten anrückten, kam nicht von ungefähr. Die Kreisverwaltung hatte sich gewappnet, weil das sogenannte Netzwerk Naunhof, für seine linke Ausrichtung bekannt, vor der Kreistagssitung im Internet zum Protest gegen Kürzungen im Jugendbereich aufgerufen hatte. „Wir rufen dazu auf, zahlreich zu dieser Sitzung zu erscheinen und den CDU- und FDP-Abgeordneten zu zeigen, was wir von den Kürzungen halten. Mit Staubwedeln wollen wir gemeinsam etwas Staub zwischen den Akten der Abgeordneten aufwirbeln…“, hieß es da. Es sei zu befürchten gewesen, so Beigeordneter Wolfgang Klinger, dass es zu einer nicht genehmigten Demonstration oder Störung kommt. Zumal solche Proteste meist auch Leute aus dem anderen politischen Lager anziehen würden, wie Beigeordneter Klaus-Jürgen Linke verdeutlichte. Insofern hatte die Landratsamtspitze vor der Kreisstagssitzung Kontakt mit der Polizei aufgenommen, die vor der Halle präsent war.