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Borna

Kunden kaufen überlegt statt spontan

Verkäuferin Katja Döring hat in Steffis Spielkiste im Weihnachtsgeschäft gut zu tun. Foto: Roger Dietze Verkäuferin Katja Döring hat in Steffis Spielkiste im Weihnachtsgeschäft gut zu tun.
Borna. Die Prognosen für den Einzelhandel sind alles andere als vielversprechend: Die Ostdeutschen wollen in diesem Jahr bei den Weihnachtsgeschenken sparen. Zu diesem Ergebnis zumindest kommt eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young unter 2000 Verbrauchern. Demnach planten die Konsumenten im Osten, in diesem Jahr durchschnittlich 213 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben, während es 2008 noch 237 Euro gewesen seien. Die LVZ erkundigte sich nach den Erfahrungen Bornaer Händler.

Keinen Unterschied zum Weihnachtsgeschäft des Vorjahres kann Steffi Klingler von Steffis Spielkiste bislang ausmachen. Die Bornaer Geschäftsfrau begründet dies damit, dass zum einen die Spielwarenbranche bundesweit kaum von der Wirtschaftskrise betroffen sei und zum anderen diese in Borna wie der Region kaum Spuren hinterlassen hätte. „Bei uns gibt es keine nennenswerte Industrie, in der Arbeitsplätze hätten verloren gehen können, weshalb die Kunden in diesem Jahr nicht wesentlich weniger Geld als im Vorjahr in der Tasche haben dürften.“

Derweil hat Ilona Rhein vom gleichnamigen Bornaer Modehaus durchaus den Eindruck, dass die Kunden ein etwas anderes Kaufverhalten an den Tag legen. „Die Leute kaufen weniger spontan und dafür sehr überlegt“, so die Geschäftsfrau, die davon ausgeht, dass die Verbraucher in diesem Jahr mehr rechnen müssen. „Während man vor zwei, drei Jahren mehrere Teile im Weihnachtsgeschäft gekauft hat, begnügt man sich in diesem Jahr mit einem Ergänzungsstück.“ Insgesamt jedoch hätte sie entgegen ihren Befürchtungen keinen Grund zur Klage und sei mit dem bisherigen Umsatz des Jahres recht zufrieden. „Aber man muss den Kunden auch immer wieder etwas bieten, sei es in Form einer Modeschau oder mit Kaffee und Plätzchen an den verkaufsoffenen Adventssonntagen.“

Nicht wesentlich schlechter als im Vorjahr laufen die Geschäfte auch in Iris Herings Optik-Fachgeschäft. „Abgesehen davon, dass die Geschäfte selbstredend immer noch etwas besser laufen könnten, liegt der Verkauf von Gutscheinen für Brillen etwa auf dem Niveau des Vorjahres“, verrät die Optikerin, über deren Verkaufstresen auch schon Etuis, Barometer und Thermometer in größerer Zahl gegangen seien.

Hingegen geht in der Parfümerie Funcke das Weihnachtsgeschäft traditionell erst jetzt, kurz vor dem Heiligen Abend, so richtig los. „Obwohl zu diesem Zeitpunkt die besten Angebote zumeist schon weg sind“, meint achselzuckend Inhaberin Brigitte Fischer. Sie vermutet, dass sich dieses Parfüm-Kaufverhalten „auf den letzten Drücker“ in diesem Jahr besonders bemerkbar machen wird. „Zwischen dem vierten Advent und dem Heiligen Abend liegt fast eine ganze Woche, was den Kunden im Unterbewusstsein suggeriert, dass sie noch jede Menge Zeit hätten“, so die Parfümhändlerin, die einige der insgesamt 120 neuen Düfte des Jahres bereit hält. „Von diesen werden sich ganz sicher einige zu Favoriten entwickeln, aber noch sicherer ist, dass Channel seinem Ruf als traditioneller Weihnachtsduft einmal mehr gerecht werden wird“, meint sie.

Bei Silke Krasulsky vom „Textileck“ klingt die Bilanz ähnlich. „Überrascht war ich, dass auch an den offenen Adventssonntagen sehr viel Kundschaft bei uns einkaufte“, so die Bornaerin, die vor ziemlich genau drei Jahren das Geschäft von ihrer Schwiegermutter Sigrid Krasulsky übernommen hatte.

Nur wenige Meter entfernt verkauft Irene Ziegler fair gehandelte Ware im „Laguna“. An den offenen Wochenenden lief das Geschäft bei ihr eher mäßig. „In der Woche hingegen war der Umsatz dieses Jahr sehr gut. Ich konnte auch viele Neukunden gewinnen“, sagt die Bornaerin. Und die Last-Minute-Käufer kämen ja noch.

Das derzeit kalte Wetter freut Colette Johnke, es könnte auch ruhig noch richtig schneien. Generell sei es im November und Anfang Dezember zu warm gewesen, „das hat nicht wirklich Kaufanreize in unserer Branche geschaffen“, klagt die Bornaer Modehändlerin, die sich jedoch zuversichtlich zeigt, dass mit dem jetzt näher rückenden Heiligen Abend und den kühleren Temperaturen auch die Bornaer ihre Zurückhaltung beim Textilienkauf ablegen werden.

 
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