Borna
Maifeier auf dem Bornaer Marktplatz
Nikos Natsidis
Borna. Wenn sich Parteien und Vereine vor dem Rathaus präsentieren, Reden gehalten werden und Bratwurstduft über den Markt zieht, dann ist 1. Mai in Borna. So war es auch gestern bei der Maifeier, zu der die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eingeladen hatte. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Miro Jennerjahn warf der sächsischen Staatsregierung in vielen Fragen Sprachlosigkeit vor.
Jennerjahn, in diesem Jahr Hauptredner auf der Veranstaltung, die wie andere Maifeiern im Bundesgebiet auch unter dem Motto „Gute Arbeit für Europa – gerechte Löhne – soziale Sicherheit" stand, sprach von einem tief gespaltenen sächsischen Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite fehle es an Fachkräften, andererseits seien viele ausgegrenzt. Hinzu komme, dass Frauen in Sachsen im Durchschnitt nach wie vor elf Prozent weniger verdienen als Männer. Die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) hatte zuvor betont, „dass auch wir als Kommunen die Folgen der Finanzzockerei zu spüren bekommen". Die Gewerkschaften seien die wirksamsten Vertreter zur Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen. Der Dritte Beigeordnete des Landkreises, Thomas Voigt (SPD), erklärte als Vertreter der Kreisverwaltung, dass die Arbeitslosigkeit trotz großer Beschäftigungsprogramme in den letzten Jahren keineswegs gebannt sei. Speziell in Borna, Kitzscher, Deutzen oder Böhlen sei die Arbeitslosigkeit nach wie vor besonders hoch. Voigt weiter vor den etwa 250 Besuchern auf dem Bornaer Markt: „Das ist ein Problem, das wir nicht abhaken können." Der stellvertretende sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach warnte mit Blick auf die Sparpakete vor sozialen Unruhen. Es gehe darum, dass die öffentliche Hand wie zu Zeiten der Wiedervereinigung Geld in die Hand nehme. Dass das zu Erfolgen führe, sei an sanierten Häusern, Marktplätzen und Schulen in den neuen Bundesländern zu sehen. Der Vorsitzende der Bornaer CDU-Stadtratsfraktion, Roland Wübbeke, kritisierte die ökonomische Ungleichheit zwischen Ost und West sowie Nord und Süd in Deutschland. Die frühere Bornaer Landrätin und jetzige SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping verwies darauf, dass die Lehrer in Sachsen am schlechtesten bezahlt würden, anderseits aber Lehrermangel herrsche. Für den Linken-Landtagsabgeordneten Enrico Stange hat die Schaffung von Mindestlöhnen Priorität. Dafür müsse mit einem neuen Vergabegesetz gesorgt werden. Für die Umrahmung der Veranstaltung, bei der es auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Demografischer Wandel in der Region" gab, sorgten die Bornaer Tanzelfen und die Band „Frontline". Zudem stellten sich Organisationen wie der VdK, die Bornaer Stadtverwaltung und die Gewerkschaft Verdi sowie der DGB vor. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Axel Troost übergab dem Verein Bon Courage eine Spende von 750 Euro. © Kommentar
© LVZ-Online, 01.05.2012, 17:31 Uhr