Doris Krumbholz hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt. Einst Krankenschwester, leitet sie heute mit ihrem Mann zwei Pflegeunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern, darunter das Pflegeheim Birkenhof in Pegau. Die Chefin, die in der Nachbarstadt Groitzsch zu Hause ist, ärgert das schlechte Image ihrer Branche. Immer nur gebe es negative Schlagzeilen: skandalöse Zustände in diesem und jenem Heim, Pflegenotstand, schlechte Bezahlung, Fachkräftemangel. „Es fehlt der Blick auf die vielen positiven Dinge, die es bei uns gibt", sagt sie.
Dagegen will sie etwas tun. So trifft es sich, dass das Bundesministerium für Gesundheit derzeit eine kostenlose Wander-Foto-Ausstellung anbietet, um genau dort Anstöße zu geben: Pflegebedürftige und Pflegende auf positive Art vorzustellen. 36 große Fotos gehören zu der Schau. Sie zeigen eine Oma, die vergnügt einen Fußball fängt; einen Demenzkranken, dem die Hand der Pflegerin auf seiner Schulter gut tut; zwei alte Männer, die im Pflegeheim Freunde wurden. „Es geht nicht nur darum, jemanden irgendwie zu versorgen, sondern auf ihn einzugehen – eine große Herausforderung für Leute, die in der Pflege arbeiten", sagt Doris Krumbholz. Aber sie wünsche sich ja schließlich auch, dass sie später nicht stricken oder spazieren oder aufs Klo gehen muss, bloß weil das gerade im Pflegeheim-Programm dran ist.
Bei allen Schwierigkeiten in diesem Beruf – körperliche und seelische Belastung, Arbeit am Wochenende und feiertags, ständiger Umgang mit dem Tod – gebe es sehr schöne Dinge. Als Pflegerin lasse sich Hilfsbereitschaft ausleben und viel Dankbarkeit empfangen.
Sabine Oeler würde das sofort unterschreiben. Fast ein ganzes Berufsleben arbeitete sie als Zahnarzthelferin und sattelte erst mit Mitte 50 um. Sie arbeitet als sogenannte zusätzliche Betreuungskraft für Demenzkranke – eine vom Staat unterstützte Stelle. Das heißt, sie hat mit fast allen Heimbewohnern zu tun. Denn 52 der insgesamt 66 Frauen und Männer leiden an Demenz. „Ich bin froh, dass ich mich für diese Arbeit entschieden habe", sagt die Quereinsteigerin. „Es kommt so viel zurück." Dabei gibt es jedoch auch traurige Momente. Einsame Alte, deren Kinder nicht mal ein Foto von früher im Heim vorbeibringen – dabei sind die alten Bilder für diese Menschen so wichtig, weil sie sozusagen in den früheren Zeiten leben.
Doris Krumbholz findet Aufklärungsarbeit wesentlich. Wenn eine Oma x-mal in der Woche zur Bank läuft, um Geld abzuheben, und die Angestellte fast in den Wahnsinn treibt, wäre es gut, etwas über Demenz zu wissen. Das gilt noch viel mehr für die Angehörigen, die der Krankheit oft hilflos gegenüberstehen. „Pflege findet viel zu sehr im stillen Kämmerlein statt, keiner will es genau wissen", kritisiert sie.
Das hat Auswirkungen auf den Nachwuchs. Dieser Job gilt nicht als chic. Viele Heime suchen händeringend Altenpflegerinnen – oder Altenpfleger. Im Birkenhof geht man jetzt neue Wege. Am Donnerstag ist Boy’s Day, wo sich Jungen in typischen Frauenberufen ausprobieren können. Es soll ein Schnuppertag sein, an dem die Jungs mal Zucker und Blutdruck messen und einen alten Menschen vom Rollstuhl ins Bett helfen, sagt die Pflegeheimleiterin Kathleen Fritzsche. Vielleicht hat jemand Lust, später sein Schülerpraktikum im Heim zu absolvieren und sogar diesen Beruf zu ergreifen. Voraussetzung sei nur eins: „Man muss eine soziale Ader haben."