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Sperling gibt frühen Startschuss

Da sollte man schwindelfrei sein: Nach den Arbeiten in luftiger Höhe am Türmchen ist die Gottesackerkirche auf dem Pegauer Friedhof nun komplett eingerüstet   Foto: Hartmut Karich Da sollte man schwindelfrei sein: Nach den Arbeiten in luftiger Höhe am Türmchen ist die Gottesackerkirche auf dem Pegauer Friedhof nun komplett eingerüstet
Pegau. Lange Zeit war Ebbe in der Friedhofskasse. Die Pegauer Kirchgemeinde musste tatenlos zusehen, wie die Schäden an der Gottesackerkirche St. Johannis größer wurden. Die Situation hat sich, auch mit Hilfe von Fördergeldern, geändert. Inzwischen stehen die Gerüste. Dass die Bauarbeiten allerdings schon so zeitig im Frühjahr begannen, ist maßgeblich dem kleinen Haussperling zu verdanken. Und einem ganz speziellen Antrag.

 

„Sorgen machen wir uns schon seit Jahren über den Zustand der Kirche", erzählt Pfarrer Torsten Reiprich. „Das Dach ist undicht, es gab Wasserschäden. Auch an der Fassade, vor allem am hinteren Fachwerkbereich, muss einiges gemacht werden."

Das in den Jahren 1674 bis 1676 errichtete Gotteshaus ist nicht nur eine architektonische Zierde des Areals. „Es ist schön, eine Kirche auf dem Friedhofsgelände zu haben", sagt der Pfarrer. „Sie wird für Beerdigungs-Zeremonien genutzt, und zweimal im Jahr finden hier auch Gottesdienste statt, am Johannistag, dem 24. Juni, und am Ewigkeitssonntag."

Um so nötiger wurden Taten zum Erhalt des Kleinods. „Aber dafür fehlte der Friedhofsverwaltung einfach das Geld", blickt Reiprich zurück. Vor etwa drei Jahren habe der Kirchenvorstand die Friedhofsgebührenordnung überarbeitet und den allgemein üblichen Sätzen angepasst. Seitdem sei es gelungen, den Friedhof aus den roten Zahlen zu führen und eine Rücklage zu bilden. Was wiederum die Voraussetzung war, zusätzlich Fördergelder für die Instandsetzung beantragen zu können.

Thomas Schubach vom gleichnamigen Großpösnaer Planungsbüro, der die Arbeiten an der Friedhofskirche fachlich betreut, legte im Herbst 2011 eine erste Kostenschätzung vor. 320 000 Euro standen einschließlich Orgelsanierung ganz unten auf dem Zettel. „Das überstieg die finanziellen Möglichkeiten. Also haben wir das Paket aufgeschnürt und kümmern uns im ersten Bauabschnitt um die Außensanierung, um den Schutz der Bausubstanz", so Schubach.

Dafür sind 190 000 Euro im Topf – 70 000 von Kirchgemeinde und Landeskirche sowie rund 120 000 aus Mitteln des EU-Förderprogramms Integrierte Ländliche Entwicklung (Ile). Zwar steht der endgültige schriftliche Förderbescheid noch aus, doch man hat Signale bekommen, dass die Summe genehmigt werde.

Nun kommt der Sperling ins Spiel. Er nistet traditionell in diversen Nischen des Kirchengemäuers. Und darf dabei nicht gestört werden. „Die Vorgaben der Naturschützer waren eindeutig. Baubeginn vor Beginn der Brutzeit im März oder erst danach im Oktober", schildert Schubach die Alternativen. „Der Herbst war uns zu spät und auch vom Wetter her für Dacharbeiten zu riskant. Also haben wir beim Landratsamt einen Antrag auf vorfristigen Baubeginn gestellt. Im Februar kam die Genehmigung. Hätten wir ohne sie angefangen, wären die Fördergelder futsch gewesen."

Ab Mitte März wurde ringsum das Fundament freigeschachtet und das Mauerwerk abgedichtet. Dabei stieß man auch auf die Gruft der Pegauer Wohltäterin Helene Hedwig Huhn (die LVZ berichtete). Jetzt stellt die Firma Grimme und Stahl aus Nobitz bei Altenburg ringsum die Gerüste. „Dann wird der Dachstuhl von den Zimmerern und Dachdeckern der Pegauer Firma Brückner denkmalgerecht instand gesetzt", erklärt Thomas Schu-bach. Am Ende gibt es obendrauf eine neue Biberschwanz-Doppeldeckung in naturrot.

Auch mit dem Denkmalschutz arbeitet man eng zusammen. So erhält der Eingang am Westportal seinen einstigen Schmuck, einen Fassaden-Rundbogen, zurück. Eine neue Bekrönung aus Zinkblech mit vergoldetem Knauf und einer (derzeit weggebrochenen) Spitze wird das Dachtürmchen wieder zieren.

„Viel Arbeit kommt am Fachwerk des Chorraumes an der Ostseite auf uns zu", blickt Schubach etwas sorgenvoll voraus. „Die Hölzer haben größere Pilz- und Insektenschäden. Wir müssen uns auf einige Überraschungen gefasst machen. Das wird wohl einen großen Teil des Geldes beanspruchen." Ringsherum wird zudem der Sockel neu verputzt.

Bis zum Sommer sollen die Arbeiten beendet sein, „wenn alles glatt läuft, bis Ende Juni", so Thomas Schubach. „Aber spätestens zum Tag des offenen Denkmals am 9. September wird sie in neuem Glanz zum Besuch einladen", verspricht der Bauleiter

 
 
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