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Borna

Sperrgebiet auf dem Fußballplatz

Bewusst übertrieben ist dieses Szenarion auf dem Deutzener Fußballplatz dargestellt - das sich um ein Haar so hätte abspielen können.   Foto: Thomas Lieb Bewusst übertrieben ist dieses Szenario auf dem Deutzener Fußballplatz dargestellt - das sich um ein Haar so hätte abspielen können.
Deutzen. Bürokratie kann so schön sein. Gesetzestreue Ordnungshüter hätten sich wahrscheinlich alle Finger nach jener Akte geleckt, die jetzt in Deutzen fast unbemerkt ein glückliches Ende genommen hat: Der SV Blau-Weiß Deutzen hat als ordentlicher Verein auch einen Sportplatz, auf dem die Punktspiele ausgetragen werden. Das Problem: Ein winziges Teilstück mitten im Fußballrasen gehörte über Jahrzehnte gar nicht der Gemeinde - ergo dem Verein - sondern der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Streng genommen hätten die Blau-Weißen 90 Jahre lang um das fremde Grundstück kicken müssen.

1920 gründete sich der heutige SV Blau-Weiß Deutzen. Damals liefen sie noch unter den Fahnen von „Sturm Deutzen" auf. Die ersten Spiele wurden auf Streuobstwiesen angepfiffen, nachdem die Kohle den Fußball nach Deutzen brachte. Im Voigtland starb die Textilindustrie - die Erzgebirgler siedelten in die Braunkohlengebiete um: Und brachten den Fußball mit. Der Bau des Braunkohlenwerkes in Deutzen zog viele Menschen aus unterschiedlichen Gegenden an die Pleiße. Bis Ende der 60-er stieg die Einwohnerzahl innerhalb vom einem halben Jahrhundert von 350 auf 4300. Nachdem auf Kröbers Wiesen, links der ehemaligen Straße ins heute überbaggerte Görnitz, der erste Fußballplatz errichtet wurde, ging es mit dem Fußball in Deutzen aufwärts. Hans Riese, Gustav Hochmuth, Robert Irrgang, Richard Jahn oder Albin Hornauer nennt der Verein einige Männer der ersten Stunde...

So weit zur Geschichte. Der SV Blau-Weiß kickt mit seiner ersten Mannschaft aktuell in der Fußball-Regionalliga des Verbandes Borna-Geithain. Die Zweite bolzt eine Klasse tiefer. Mitunter recht erfolgreich. Unter katastrierenden Gesichtspunkten allerdings bis vor Kurzem mit unlauteren Mitteln - wenn man‘s ganz genau nimmt. Die Blau-Weißen haben zum Toreschießen mitunter Land betreten, dass ihnen nicht gehört. Eine Genehmigung des Eigentümers lag offiziell nicht vor. Hätten die Spieler also einen Bogen um die knapp 20 Quadratmeter fremden Bodens auf dem Spielfeld laufen müssen? Hätte das Fleckchen Erde gar eingezäunt werden müssen, damit der Ball nicht darüber rollt? Oder hätten die Schiedsrichter vor Anpfiff der blau-weißen Heimspiele die LMBV um Genehmigung bitten müssen?

Bevor jetzt Anwälte eingeschaltet werden, die mit der Annullierung in Deutzen verloren gegangener Spiele beauftragt werden - zu spät! Der Drops ist gelutscht. Blau-Weiß spielt mittlerweile auf ausschließlich kommunalem Geläuf. Bürgermeisterin Marika Nowak gab die Aufhebung des Sperrgebietes zwischen den Deutzener Eckfahnen kürzlich dem Gemeinderat bekannt. „Die LMBV hat das betreffende Flurstück der Gemeinde kostenfrei übereignet."

Ines Petschke, in der Stadtverwaltung Regis-Breitingen für Liegenschaftsfragen zuständig, gewährte (unter der Zuhilfenahme eines unüberhörbaren Schmunzelns) einen etwas tieferen Einblick ins grundbuchamtliche Nirwana. „Es stimmt. Bevor der Sportplatz in Deutzen geschaffen wurde, bestand die Fläche früher aus mehreren kleinen Teilstücken. Einige davon gehörten der LMBV, die diese an die Gemeinde Deutzen übereignet hatte." Offenbar wurde das wohnzimmergroße Fitzelchen nahe der Gäste-Auswechselbank vergessen. In irgendeiner Amtsstube wurde jetzt bemerkt, dass der SV Blau-Weiß Deutzen eigentlich den Namen LMBV Blau-Weiß Deutzen hätte tragen sollen. Die Angelegenheit wurde bereinigt. Im Zuge des Vermögenszuordnungsgesetzes hat die LMBV das Stückchen Rasen ganz unspektakulär einfach der Gemeinde überschrieben. Kostenlos. Blau-Weiß muss nun nicht mehr Bogen laufen. Darf alle Punkte und Titel behalten. Ines Petschke relativiert also sanft: „Es ist schon übertrieben, wenn man glaubt, die Sportler hätten das benannte Stück Wiese nicht betreten dürfen." Übertrieben vielleicht - aber amüsant genug, darüber zu berichten.

 
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