Pegau. „Helau, helau, helau“, hallte es immer und immer wieder aus Tausenden Kehlen. Endlich führte der große Karnevalsumzug am Sonnabendnachmittag quer durch Pegau. Originelle Mottos, mitreißende Guggemusik, Kamelle für Groß und Klein und die ausgerufene Kussfreiheit ließen keine Wünsche offen.
„Pegauer Nächte sind kurz“, sagt Prinzessin Bärbel IV. und nippt an ihrem Glühwein vor der Jausenstation des Pegauer Karnevalklubs. Schließlich feierte sie am Vorabend bis 4 Uhr in der Schlosshalle. Und davor war ja Weiberfastnacht. Und heute? „Heute sind wir nun zum ersten Mal das Prinzenpaar beim Umzug!“, sagt Uwe III. und strahlt. Aufregung verspürten die beiden zwar auch vor den anderen Umzügen, da sie sich seit 20 Jahren um die Kinder- und Jugendarbeit im Verein kümmern. „Aber diesmal ist es eben etwas Neues“, sagen beide, die im letzten August auf ihre Silberhochzeit anstoßen konnten und nun in einer eleganten Kutsche zum Rathaus vorfahren.
Vor dem Renaissancebau heizen bereits die Gwärschlächor aus Böhlen mit ihrer Guggemusik kräftig ein. Die Temperaturen um den Gefrierpunkt bereiten den Blasinstrumenten keine Probleme, und zusammen mit den Pauken und dem Schlagzeug versetzt das bunt kostümierte Orchester die auf dem Marktplatz wartenden Besucher in Bewegung. „Ein Karneval ohne Konfetti geht nicht“, sagt Ehrenpräsident Jürgen Kröher auf der Bühne und prophezeit den aufgrund des Schnees eigentlich unerwünschten Einsatz der bunten Papierschnipsel. Als Prinz Uwe III. den Beginn der Umzugsschau und der Kussfreiheit verkündet, scheint tatsächlich die Sonne zwischen den grauen Winterwolken hervor. Geburtstagskind Detlef Eichelbaum vom PKK profitiert als Erster von der Kussfreiheit: Der frischgebackene 56-Jährige bekommt auf der Bühne gleich einen dicken Schmatz auf die Wange.
Unter dem diesjährigen Motto „Casino Royale beim Pegauer Karneval“ ist der Umzugsgruppe der Lustigen Hummeln die „Wirtschaftskrise scheißegal – denn wir gehen ins Rüss’ner Casino Royale“. Die Pegauer Lanzer haben mit Wirtschaftskrisen so ihre Erfahrung, schließlich verkünden sie: „1929 – mit uns kommen Sie durch die Krise.“ Günstigerweise haben sie auch die aktuellen Aktienkurse an ihrem Umzugswagen präsentiert: Während der Kurve für die Politik sinkt, steigen die Kurse enorm für Weiber und Eierlikör. Welcher Anstieg dabei am steilsten ist, kann aufgrund der fliegenden Geldscheine und der Einladung auf einen Becher nicht erkannt werden.
Gut stehen die Kurse auch für Jannes Förster aus Borna. Auf den Schultern seines Papas verfolgt er strategisch günstig das Geschehen. Und die Umzugsgruppen lassen sich nicht lumpen: Bonbons, Schokolade, Popcorn und Knusperreis wandern pausenlos zur Zufriedenheit des Dreijährigen in die Tasche seiner Mama. Die farbenprächtig geschminkte Alicia aus Pegau hat zwischen all den Süßigkeiten dann doch eine grundlegende Frage an Mutter Peggy: „Mama, als was gehen wir eigentlich?“ „Wir sind ,Pegau helau‘“, klärt diese die vierjährige Tochter auf, die nun zum vierten Mal den Karnevalumzug erlebt.
Glühwein ist natürlich bei der Kälte beliebt, aber Anja Roth vom PKK rät auch zum Zwiebellook. „Ganz viele Schichten tragen“, erklärt die Karnevalistin, während sich ihr Freund Richard Petersen lieber „warme Gedanken“ macht. Mandy aus dem Elferrat des Carnevalvereins Schnaudertaler Burgnarren empfiehlt dagegen „Medizin“ und zückt gleich ihre Flasche.